12.

Während in der Schattenwelt die Gedanken jedes Einzelnen Kopf standen, war in der Menschenwelt ein Mann auf dem Weg, die Wahrheit heraus zu finden. Der Bibliothekar machte sich auf den Weg zu Angels Eltern.
Lianus hatte es sehr, sehr eilig. Schließlich war er angekommen. Er stand vor ihrer Haustür und klingelte und war überrascht, wie schnell ihm diese geöffnet wurde. Vor ihm stand eine Frau, er ahnte, dass es die Mutter des Mädchens war. Sie sah irgendwie fertig aus, so als hätte sie geweint. Lianus war in der Tat etwas verwirrt, aber er fing sich so schnell wie möglich wieder. “Ja, was kann ich für Sie tun?” fragte diese, sie kannte den Bibliothekar nicht, von daher war sie etwas vorsichtig. Grace hatte die Hoffnung, dass es Angel sein könnte, die zurück gekehrt war. Sie hatte auf ihren Mann gehört, der ihr geraten hatte, diese erst einmal bei Taliya zu lassen und sie erst später abzuholen. Doch es machte sie beinahe wahnsinnig, dass sie noch nicht wieder zurück gekehrt war. Und als es nun an der Tür geklingelt hatte, hatte sie sich kurzfristig der Hoffnung hingegeben, es könnte Angel sein; doch nun stand sie einem fremden Mann gegenüber.

Lianus bemühte sich, so höflich wie möglich zu wirken und verbeugte sich vor Grace: “Mrs. Harding? Mein Name ist Lianus Grummings” - dies war der Name, den er sich in der Menschenwelt zugelegt hatte - “ich bin der städtische Bibliothekar. Könnte ich kurz einmal mit Ihrer Tochter sprechen?” Dies war nun die spannende Frage, auf deren Beantwortung Lianus gespannt wartete.
Grace sah ihn irritiert an. Sie hatte bisher mit dem Bibliothekar nicht viel zu tun gehabt und wunderte sich, gelinde gesagt, nun ein wenig, was dieser hier wollte: “Ähm, ich.. Meine Tochter ist nicht hier”, antwortete sie ihm schließlich, als sie sich wieder ein wenig gefasst hatte. Sie ärgerte sich über sich selbst, dass sie dem Mann gegenüber so herum stammelte. “Tut mir leid. Worum geht es denn?”

Lianus hatte seine Antwort. Sie war also nicht hier! Doch bevor er sich verabschiedete musste er sich sicher sein: “Darf ich Sie fragen, wo ich Ihre Tochter finden kann?” fragte er weiter und bemerkte, wie Grace Hardings Gesicht langsam rötlich wurde. Sie schien wütend zu sein. “Mr. Grummings, Ihr Name war doch Grummings?” fragte sie und er nickte. “Hören Sie, ich weiß nicht, was Sie von meiner Tochter wollen. Wie ich schon sagte, sie ist nicht hier. Ich könnte Ihnen vermutlich sagen, wo sie sich aufhält, aber ich werde dies nicht tun, bevor Sie mir nicht erklärt haben, was Sie von meiner Tochter überhaupt wollen! Also?”

Lianus nickte. Er würde nun zu seiner letzten List greifen. Leise begann er, sich zu räuspern und antwortete. Sein Tonfall klang sehr ergriffen, als er schließlich begann zu sprechen: “Es tut mir sehr leid, Mrs. Harding, Ihnen sagen zu müssen, dass Ihre Tochter eines meiner Bücher aus meiner Bücherei gestohlen hat. Es liegt mir sehr viel daran, dieses Buch wieder zu bekommen, dass werden Sie sicherlich verstehen und ich möchte auch nicht unbedingt zur Polizei; deswegen bin ich auch zuerst hierher gekommen, aber wenn Sie mir die Chance, das Buch zurück zu erhalten, nicht gewähren, dann bleibt mir nichts anderes übrig, als die Polizei einzuschalten…” Erwartungsvoll sah er Grace ins Gesicht.

Diese hatte ihn während seiner Rede einfach nur angestarrt. Sie konnte nicht fassen, was dieser Mann da gerade gesagt hatte. Ihre Gesichtsfarbe war von leichtem Rot zu Puterrot gewechselt und schließlich fand sie ihre Sprache wieder. Ihre Stimme war beherrscht ruhig, als sie schließlich mühsam antwortete: “Was erlauben Sie sich? Meine Tochter würde so etwas niemals tun! Verschwinden Sie hier! Sofort!” Zum Schluss war ihre Stimme doch lauter geworden, weil sie es nicht mehr aushielt. Ihre Nerven lagen blank. Heute war so viel geschehen: Zuerst der Streit mit Angel, dann war diese einfach so verschwunden, ohne ihnen die Chance zu geben, sich ihr zu erklären und dann kam dieser Kerl hierher und unterstellte ihr so eine Tat?

John Harding war bis vor einigen Minuten noch im Wohnzimmer gewesen und hatte sich versucht abzulenken. Auch er hatte die Türklingel gehört und sich ebenfalls gedacht, dass es vielleicht Angel sein könnte. Er wollte bereits ebenfalls hingehen, doch dann hörte er, dass Grace bereits auf dem Weg war und er dachte sich, dass die beiden erst einmal miteinander reden sollten. Doch irgend etwas störte ihn mittlerweile. Das klang nicht danach, als wäre es Angel, die da gekommen war. Der- oder diejenige stand anscheinend immer noch vor der Tür, Grace hatte ihn oder sie nicht herein gelassen, und was noch merkwürdiger war, mittlerweile hörte er ihre laute Stimme. John konnte zwar nicht verstehen was sie sagte, aber dass sie aufgeregt zu sein schien, konnte er heraus hören. Langsam stand er auf und lief auf die Tür zu. Er sah einen Mann, den auch er nicht kannte, und seine Frau versuchte gerade, ihm die Tür vor der Nase zuzuwerfen, doch dieser stellte seinen Fuß dazwischen!

John zögerte nicht mehr lange. Er raste ebenfalls zur Tür und stellte sich neben seine Frau. “Was ist hier los?” fragte er sie, ohne den Mann aus den Augen zu lassen. Grace antwortete ihm, in ihren Augen standen Tränen. Es wurde langsam alles zuviel für sie: “John, stell dir vor, dieser Mann”, sie zeigte auf Lianus, “ist der städtische Bibliothekar und er behauptet, dass Angel ihm ein Buch gestohlen hätte! Unsere Angel soll eine Diebin sein!”
Auch John blickte zuerst ungläubig in Graces Gesicht und dann zurück zum Bibliothekar. “Haben Sie Beweise für eine solch unglaubliche Behauptung?” fragte er schließlich und musste sich ebenfalls beherrschen. Grace sah ihn an: “John! Du wirst so etwas doch nicht wirklich auch nur im Entferntesten in Betracht ziehen…” Weiter kam sie nicht, denn Lianus zog ein Band aus seiner Tasche. “Es tut mir leid, Mr. Harding, aber ja, ich habe einen Beweis. Die Bibliothek wird überwacht. Und hier auf diesem Band ist der definitive Beweis, dass Ihre Tochter das Buch eingesteckt und gestohlen hat. Ich wäre durchaus in der Lage, direkt damit zur Polizei zu gehen, wie ich bereits Ihrer Frau mitgeteilt habe. Dennoch war ich bereit, zuerst mit Ihnen, beziehungsweise Ihrer Tochter zu sprechen und eventuell auf eine Anzeige zu verzichten. Doch wenn Sie mir nicht mitteilen wo sich Ihre Tochter jetzt aufhält, wird mir wohl nichts anderes übrig bleiben.” Er versuchte, seine Stimme ebenfalls so betrübt wie möglich klingen zu lassen.

John und Grace Harding konnten es nicht fassen. Es gab ein Band, in dem die angebliche Tat aufgenommen worden war? “Ich möchte das Band sehen!” sagte John schließlich, um überhaupt etwas zu sagen. “Natürlich”, antwortete Lianus - “wenn Sie mich nun eintreten lassen würden?” John nickte und auch Grace stimmte schließlich resignierend zu. Vielleicht stellte es sich ja doch noch als Missverständnis heraus und auf dem Band war ein Mädchen zu sehen, dass ihrer Angelina - oder Angel, wie sie genannt werden wollte, einfach nur ähnlich sah? Bis zuletzt hofften die verzweifelten Eltern noch darauf, doch als sie schließlich das Band zu sehen bekamen, zerplatzte ihre Hoffnung wie eine Seifenblase. Es war Angel. Und es war eindeutig, was sie dort tat: Sie konnten sehen, wie sie das Buch zuerst las, wobei auch sie sich fragten, weshalb sie sich dabei so merkwürdig verhielt. Grace machte sich Sorgen. Dann kam der Moment, in dem sie es einsteckte und verschwand.

Grace schloss die Augen. Das war ein Albtraum. Zuerst der Streit mit ihrer Tochter und nun dies. Zuerst dachte sie, dass Angel vielleicht deswegen so verwirrt gewesen war, dass sie nicht mehr wusste, was sie getan hatte, doch dann registrierte sie, dass Angel das Buch VOR ihrem Zerwürfnis mit ihnen gestohlen hatte. Schließlich blieb ihr und John nichts anderes übrig, als es zu glauben.
“Was war das für ein Buch?” fragte Grace schließlich. Lianus sah sie an. “Ein Buch über Märchen und Mythen. Ich kann es auch nicht wirklich verstehen. Sehen Sie, Ihre Tochter kommt ziemlich oft zu mir in die Bibliothek und liest dort. Und ab und an leiht sie sich auch einmal etwas aus. Daher habe ich ihre Adresse. Aber bis jetzt kenne ich sie als liebes und anständiges Mädchen.. Ich hoffe nicht, dass sich dies ändert. Vielleicht war es eine Mutprobe? Ich weiß es nicht, aber das ist dann wohl Ihre Sache, dies heraus zu finden. Kommen wir jetzt zum Punkt: Sagen Sie mir wo Ihre Tochter ist und ich werde es nicht zur Anzeige bringen, vorausgesetzt ich bekomme das Buch wieder. Doch es sollte Ihnen klar sein, dass Ihre Tochter von nun an Hausverbot in der Bibliothek hat, was ich persönlich sehr bedaure.”

John nickte. Ihm und Grace steckte jeweils ein riesiger Kloß im Hals. Weshalb hatte Angel das getan? Was war in ihr vorgegangen. Auch ihm war aufgefallen, dass es noch vor ihrem Streit geschehen war und dass es sich dabei um ein Mythen- und Märchenbuch gehandelt haben soll, irritierte ihn zusätzlich. Was wollte Angel noch mit so etwas?
Dennoch wusste er, dass diese Fragen im Grunde müßig waren und er antwortete schließlich: “In Ordnung. Sie haben uns überzeugt. Es ist anständig von Ihnen, dass Sie die Polizei nicht rufen wollen. Das rechnen wir Ihnen hoch an. Und ich kann mich nur für meine Tochter entschuldigen. Ich kann es mir ebenfalls nicht erklären…” Dann riss er sich zusammen und sagte es schließlich: “Angel ist bei ihrer besten Freundin. Taliya Marget. Wir werden mit Ihnen gehen” sagte er noch, denn für ihn war es klar, dass sie den Mann nicht alleine mit Angel reden lassen würden.

Lianus nickte. Er hatte was er wollte. Diese Taliya war garantiert ein weiteres der in der Prophezeiung erwähnten Freunde, beziehungsweise Verbündeten, mit deren Hilfe das Mädchen den dunklen Herrscher - seinen Gebieter - bekämpfen sollte. Und natürlich mit Hilfe ihrer Schwester.. Nun war die Stunde der Wahrheit gekommen: Sollte sie tatsächlich bei dieser Freundin sein, würde er ihr das Buch abnehmen, ihr noch eine Standpauke halten und dann wieder verschwinden. Sollte sie, oder sogar beide Mädchen, nicht da sein, wäre das der Hinweis auf den er gewartet hatte. Besonders, wenn keiner ihnen sagen konnte, wo sie waren. Dann war es beinahe bewiesen, dass sie in die Schattenwelt gelangt waren und er musste seinem Herrscher erneut Bescheid geben.

Sie waren auf dem Weg und schließlich kamen sie dort an. John hatte einen Schritt zugelegt und nach ihm gingen Lianus und Grace. Graces Schritte waren schwer. Sie hatte Angst vor dem, was nun kam. Dennoch wusste sie, dass sie es nicht mehr vor sich herschieben konnte. Jetzt nicht mehr. Sie seufzte. Sie konnte sich immer noch nicht erklären, weshalb Angel so etwas getan hatte. Hatte Taliya sie vielleicht dazu angestiftet? Doch auch, wenn Grace ebenfalls wusste, dass diese aufgedreht und chaotisch war, dennoch traute sie auch ihr so etwas nicht zu. Eine Dummheit zu begehen oder etwas zu stehlen, war nun doch Zweierlei… Doch es brachte nichts, weiter darüber nachzudenken, denn die einzige, die ihnen ihre Beweggründe erklären konnte, war Angel. Und noch einiges mehr, denn es stellte sich immer noch die Frage, woher diese überhaupt wusste, dass sie nicht ihre Tochter war. Irgendjemand musste es ihr doch gesagt haben!

Doch dann hörte sie erst einmal auf darüber nachzugrübeln, denn sie standen vor dem Haus der Margets. Nach einigen Sekunden, in denen sie noch einmal tief ein- und ausatmeten, klingelten sie schließlich. Wenige Minuten später, die ihnen wie Stunden vorkamen, öffnete schließlich Mrs. Marget die Haustür. “Oh, Mr. und Mrs. Harding. Was kann ich für Sie tun? Möchten Sie herein kommen? Und mit wem habe ich hier das Vergnügen?” fragte sie noch, als sie den Bibliothekar sah. “Das ist Mr. Grummings, der städtische Bibliothekar… Hören Sie, wir würden gerne mit den beiden Mädchen sprechen. Sie sind in Taliyas Zimmer, oder?” antwortete John. Mrs. Marget sah ihn an und in ihrem Gesichtsausdruck konnte man die Verwirrung deutlich erkennen. “Ähm, nein, die Mädchen sind nicht hier. Ich hatte eigentlich gedacht, dass Taliya bei Ihnen wäre - also bei Angelina - und wollte in spätestens einer Stunde anrufen um sie zu bitten wieder herüber zu kommen…”

Grace wurde heiß und kalt. Auch John erging es nicht besser. Dass beide Mädchen nicht da sein könnten, war ihnen bisher nicht einmal in den Sinn gekommen. Langsam machte sich auch Taliyas Mutter Sorgen, als sie in die entsetzten Gesichter der Hardings sah. “Sagen Sie mir bitte, was hier los ist? Ich bin wie gesagt davon ausgegangen, dass meine Tochter mit Angelina zusammen ist. Wissen Sie etwas anderes?”

Bevor sie noch dazu kommen konnten zu antworten, übernahm Lianus das Wort: “Nun, da es anscheinend so zu sein scheint, dass sich Ihre Töchter zusammen der Verantwortung entzogen haben, wird mir nun nichts anderes übrig bleiben, als das zu tun, was ich Ihnen eigentlich ersparen wollte…” Er wandte sich zum Gehen, denn im Grunde hatte er die Information, die er haben wollte. Angel und dieses andere Mädchen waren in der Schattenwelt. Es gab keine andere Möglichkeit. Und nun musste er sich beeilen, seinem Herrn die Wahrheit mitzuteilen, damit dieser weitere Schritte in Bewegung setzen konnte. Etwas musste vor 16 Jahren extrem schief gelaufen sein, als sie dachten, dass jedes Zwillingspärchen ausgelöscht worden war…

Doch bevor er gehen konnte, wandten sich Grace und John noch einmal an ihn: “Bitte”, sagte Grace eindringlich “überlegen Sie es sich noch einmal… Angel ist ein gutes Mädchen. Was auch immer sie für Gründe gehabt haben mag, sie wird wieder zurück kehren und sich erklären.” Ihnen war klar, dass sie zur Polizei gehen mussten, wenn die Mädchen nicht bald auftauchten. Dennoch wollten sie nur eine Vermisstenanzeige aufgeben und auf keinen Fall eine wegen Diebstahls zulassen!”

Der Diebstahl des Buches war Lianus ziemlich egal. Doch das konnte er natürlich nicht sagen. Dass was er eigentlich hatte erfahren wollen wusste er nun und jetzt hatte er weitere Pläne. “Hören Sie, ich will mal nicht so sein: Den Beweis, den ich brauche habe ich bei mir. Ich gebe Ihrer Tochter noch zwei Stunden Zeit. Wenn sie in dieser Zeit zurück kehren sollte und mit das Buch zurück bringt, wird nichts passieren. Ansonsten wissen Sie, was ich tue!” Damit ging er und ließ John, Grace und eine völlig irritierte Mrs. Marget zurück. Diese blickte von John zu Grace und fragte: “Würden Sie mir bitte jetzt sofort sagen, was hier los ist? Wo sind die Mädchen? Wo ist meine Tochter?”
Grace schwieg und John antwortete mit belegter Stimme: “Dass wüssten wir auch gerne.. Dürfen wir erst einmal herein kommen? Wir werden es Ihnen erzählen, zumindest soviel wir selbst wissen.” Mrs. Marget nickte und damit ließ sie John und Grace eintreten. Die nächsten Zeit würden sie damit verbringen, Taliyas Eltern etwas zu erklären, was sie selbst nicht verstanden. Und die Sorge und Unwissenheit machte sie verrückt…

Lianus kehrte zurück in sein Hinterzimmer und holte den Palantir hervor, mit dem er zuvor schon einmal mit Raoul gesprochen hatte. Dieses Mal konnte er ihm mit 100prozentiger Sicherheit sagen, dass seine Vermutung richtig war.
Sie waren es. Die Zwillingsmädchen aus der Prophezeiung. Zumindest das eine der beiden. Doch wo eines war, konnte das andere auch nicht weit sein und wenn Angel nun nicht mehr zu finden war, dann musste sie in der Schattenwelt sein. Nachdem er den Palantir aktiviert hatte, dauerte es nicht lange, und der Herrscher erschien. Wie immer war sein Antlitz verhüllt. Auch Lianus hatte sein Gesicht noch nie gesehen. “Was willst du - ich hoffe, du hast Neuigkeiten für mich, nicht nur Vermutungen!” Lianus verbeugte sich leicht: “Ja, Herr, das habe ich. Das Mädchen ist eines aus der Prophezeiung. Sie ist verschwunden, was bedeutet, dass sie in Eurer Welt sein muss. Und wenn dies den Tatsachen entspricht, dann dürfte sie bereits ihrer Schwester begegnet sein…” Weiter kam er nicht. Der Herrscher antwortete und seine Stimme klang rau und bebend: “Du brauchst mir nicht zu sagen, was das bedeutet! Ich will wissen, wie das geschehen konnte! Angeblich ist jedes einzelne Zwillingspärchen der damaligen Zeit getötet worden, so wie ich es in Auftrag gegeben hatte! WIE KONNTE DAS GESCHEHEN?”

Dem grummelnden Tonfall war eindeutig zu entnehmen WIE wütend der dunkle Herrscher war. Lianus musste sich in Acht nehmen, wenn er weiter mit diesem interagieren wollte. “Herr, ich weiß es nicht. Aber glaubt mir, ich werde es heraus finden. Doch nun ist es an der Zeit, den Aufenthaltsort der Mädchen zu finden. Es sind mindestens drei, da sich unter ihren Verbündeten noch die beste Freundin dieses Mädchens befindet. Wie viele sich noch zusammen gefunden haben, weiß ich nicht.” Er verbeugte sich erneut.

Der dunkle Herrscher schwieg einen kurzen Augenblick, dann antwortete er erneut leise grollend: “Lass dies meine Sorge sein, ich werde etwas tun. Kümmere dich um deine Sachen. Sobald du etwas weißt, was dieser Sache dient, gibst du mir Bescheid!” Damit verschwand sein Bild aus der Kugel. Lianus blickte noch kurz hinein, dann legte er sie wieder zurück. Wut sammelte sich in ihm. So war der Herrscher schon immer gewesen. Nicht einmal sprach Dankbarkeit aus ihm heraus und er diente ihm nun schon seit Jahren. Sowohl im Kleinen als auch im Großen! Irgendwann würde er es ihm heimzahlen! Irgendwann war ER der Herrscher an seiner Stelle. Doch dazu musste er es irgendwie schaffen, wieder zurück in seine Welt zu finden - doch wie nur? Er wusste es nicht, doch es würde ihm schon noch eine Lösung einfallen - und dann würden sie schon merken, zu was er fähig war. Er würde ein noch größerer und mächtigerer Herrscher werden, als es der dunkle Herrscher je war. Lianus lachte und sein Lachen drang bis in die hinterste Ecke der Bibliothek, die zu dieser Zeit glücklicherweise leer war…

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Christal, 31
Traumland