31. Avas Chance II

Währenddessen hatte Ava, nachdem ihre Verbindung zu Angel nachgelassen hatte, ein Auge auf Moira geworfen. So unauffällig wie sie nur konnte, sah sie zu ihr hin, und bemerkte, dass Moira schlief. Zumindest sah es so aus. Ihr Atem ging langsam und regelmäßig, ihre Augen waren geschlossen. Ava konnte nur hoffen, dass es tatsächlich so war, und diese ihr nichts vormachte. Doch sie musste sich jetzt darauf verlassen; die Zeit drängte. Vermutlich waren die anderen schon bei der Steilküste, wenn Angel es tatsächlich geschafft hatte, ihre Freundinnen zu überzeugen. Sie musste jetzt los gehen, und das tat sie nun auch, allerdings nahm sie sich vor, Moira weiterhin im Augen zu behalten, und zu beobachten, ob diese ihr folgte. Sie musste ohnehin aufpassen, dass ihr niemand zu nahe kam und sie fragte, wohin sie wollte. Am wenigsten Raoul, dieser durfte sie auf keinen Fall sehen! Und so schlich sie sich schließlich aus dem Zimmer.

Moira hatte sich schlafend gestellt. Sie war sehr gut darin, sich zu verstellen. Dass sie es allerdings vor ihrem ehemaligen Zögling schaffte, und diese es anscheinend nicht bemerkt hatte, wunderte sie. Dennoch schüttelte sie die Gedanken ab und stand langsam auf um sich etwas anzuziehen, und so unauffällig wie nur möglich, hinter Ava herzuschleichen.
Sie hatte eine Ahnung, dass irgend etwas mit ihr nicht stimmte. Ava war anders. Sie hatte es bereits bemerkt, als diese in ihr Zimmer kam und sich ins Bett gelegt hatte, ohne mit ihr auch nur ein Wort zu wechseln. Die beiden standen sich nie wirklich nahe; sie war nicht Avas Mutter und in letzter Zeit war wirklich viel geschehen, das sie noch weiter auseinander gebracht hatte, aber dennoch war ihr Verhalten, gelinde gesagt, mehr als ungewöhnlich. Etwas stimmte hier nicht, und Moira hatte sich vorgenommen, es heraus zu finden. Deswegen hatte sie sich schlafend gestellt und nun, als sie merkte, dass Ava aufstand und den Raum verlassen hatte, war es selbstverständlich, dass sie ihr folgte.
Sie hätte zu ihrem Herrn gehen können, doch das wollte sie nicht - noch nicht! Moira wusste, dass dieser sie im Visier hatte. Es stand noch eine Strafe aus, die er garantiert schon über sie verhängt hatte, zudem würde er ihr eventuell nicht einmal glauben.Sie brauchte Beweise für das, was Ava nun eventuell vorhatte, und diese würde sie ihm dann vorlegen. Und dann würde sie rehabilitiert sein!
Mit diesem Gedanken folgte sie Ava, in sicherem Abstand, diese merkte nichts davon...

Ava lief so schnell sie konnte, aber gleichzeitig so unauffällig wie es ging. Sie durfte auf keinen Fall auffallen! Natürlich wuselten auch hier graue Gestalten des Dunklen Herrn herum, und diese grüßten Ava und verbeugten sich vor ihr, denn sie kannten sie mittlerweile als die erste Kraft des Herrn und sie wussten, dass sie ihr ebenfalls dienen sollten.
Ava grüßte stolz erhobenen Hauptes zurück und versuchte, ihren Herzschlag unter Kontrolle zu bringen. Dann hatte sie es geschafft und wurde ruhiger. Sie drehte sich immer wieder möglichst unauffällig herum, doch sie konnte niemanden sehen. Keiner verfolgte sie und niemand nahm wirklich Notiz von ihr, glücklicherweise war auch Raoul nirgends zu sehen.

Auch, wenn Ava es nicht zugeben würde, die Vorstellung ihm zu begegnen, und ihm Rechenschaft darüber ablegen zu müssen, was sie um diese Zeit hier draußen zu suchen hatte, und was sie zu tun gedachte, gefiel ihr gar nicht. Sie würde ihn natürlich anlügen müssen, aber ob er ihr die Geschichte, die sie für diesen Fall zurecht gelegt hatte, auch glauben würde, bezweifelte sie. Andere wahrscheinlich schon; kleinere Diener, die in ihren Augen nicht mehr Wert waren als Insekten - aber Raoul sicher nicht. Er konnte in ihr lesen wie in einem Buch - und das machte ihr auch im Hinblick auf die Zukunft Angst. Würde sie es schaffen, ihn auch weiterhin von ihrer Loyalität zu überzeugen? Sie musste es, wenn sie ihn besiegen wollte. Ihr war klar, dass es nicht sofort gehen konnte. Sie mussten zuerst die kleinen Biester und Ungeheuer, sprich seine Untergebenen, eins nach dem anderen ausschalten, damit er an Kraft verlor. Und sie musste es "von innen" tun. Jetzt würde sie erst einmal ihrer Schwester und den anderen helfen, das Einhorn zu befreien, bevor es noch mehr an Kraft verlor und starb. Dann war Raoul vermutlich wirklich nicht mehr zu besiegen. Doch wenn dies geschafft war, würde sie zurück kehren müssen, und weiterhin an seiner Seite stehen. Um ihn von dort unauffällig zu bekämpfen. Noch hatte Ava selbst keine Ahnung, wie sie das schaffen sollte, doch es war müßig, darüber nachzugrübeln - eins nach dem anderen!
Und so lief sie weiter und merkte immer noch nicht, dass Moira ihr in sicherem Abstand lautlos folgte...

Schließlich war Ava angekommen. Sie sah schon von Weitem die Statue, und die Steilklippe, die direkt dahinter lag. Es war in der Tat eine Steilklippe, die ihren Namen alle Ehre machte. Ava wusste, dass das Ende der Schlucht von hier oben nicht zu sehen war. Niemand überlebte einen Sturz aus dieser Höhe... Doch dann wandte sie sich der Statue zu. Angel und die anderen sollten bereits hier sein, wenn Taliya sie, wie geplant, hierhin teleportiert hatte. Noch konnte sie niemanden sehen, doch langsam begann sie, auf die Statue zuzugehen.
Moira hatte weiter Abstand gehalten, als ihr langsam bewusst wurde, wohin Ava ging. Sie kannte den Weg und war beinahe schon erschrocken, als sie schließlich erkannte, dass sie richtig lag. Noch gab sie sich nicht zu erkennen, sondern blieb in sicherer Entfernung stehen, um zu beobachten, was Ava nun eigentlich vorhatte...

Zuvor waren Taliya und die anderen auf der Ebene kurz vor der Steilklippe gelandet. Taliya hatte immer und immer wieder sowohl an die Steilklippe als auch an die Statue gedacht, und hatte versucht, weitere Gedanken auszuschalten, die ihr sagen konnten, dass es auch schief gehen könnte. Sie konnte sich keinen Fehler erlauben, dass war ihr klar. Trotzdem blieb sowohl bei ihr als auch bei den anderen die Angst im Nacken, dass sie jetzt und hier in eine Falle laufen - oder besser gesagt, springen - könnten. Doch sie hatten sich dafür entschieden und so riss Taliya sich zusammen.
Als sie schließlich "gelandet" waren, sahen sie die Klippe sofort. Beziehungsweise sie sahen sie nicht nur, sie standen direkt davor! Einen Schritt weiter und sie wären allesamt herab gestürzt! Taliya schrie auf und trat sofort einen Schritt zurück. Auch die anderen, die sich erst einmal sammeln mussten, taten es ihr nach. "Das war verdammt knapp!" keuchte Yuna und Angel, die nichts sagte, sondern einfach nur blass um die Nase war, riskierte einen Blick in den Abgrund. Sie bereite es sofort!

Es war tatsächlich eine "Steilklippe", so etwas hatte sie noch nie gesehen: Der Boden vor ihr brach abrupt ab und man konnte nichts, aber auch gar nichts mehr sehen! Der Winkel war steil, als hätte jemand, oder etwas, eine Kerbe hinein gehackt. Und es war kein Boden zu sehen. Meilenweite Leere unter ihr, und auch, wenn Angel nicht wusste, wie tief es wirklich war, war ihr bewusst, dass niemand einen Sturz hier herunter überleben würde. Sie trat instinktiv wieder einen Schritt zurück. "Ist alles in Ordnung, Angel?" fragte Taliya und ihre Stimme klang besorgt. Angel nickte nur und dann trat sie zu den anderen.

"Na super, dass war doch klar, dass das eine Falle war! Einen Schritt weiter, und wir wären da runter gesegelt - das war doch Absicht von diesem Biest! Hab ich es doch gewusst!" ereiferte sich Yuna, die erneut ihre Sprache wieder gefunden hatte. Angel hatte sich in der Zwischenzeit umgesehen. Sie sah die Statue, die hinter ihnen in etwas weiterer Entfernung stand. Dann blickte sie auf Yuna herab und schüttelte den Kopf: "Das denke ich nicht! Ava hat mir diesen Ort hier mitgeteilt, und ich denke nicht, dass sie gewollt hat, dass wir da abstürzen! Außerdem hat sie mir ja auch etwas von der Statue dort" - sie zeigte mit dem Finger darauf - "erzählt, und dass wir uns dahinter verstecken sollen, bis sie da ist! Und sie sagte, es wäre ein ruhiger Ort, damit hat sie auch Recht. Ich sehe zumindest im Augenblick keine Wesen des Dunklen oder eine andere Gefahr hier.." "Na, ist ja auch kein Wunder, bei der Dunkelheit hier..." ereiferte sich Yuna erneut, doch sie wurde von Taliya unterbrochen: "Hey, hört auf! Wir hatten unseren Streit heute schon, und mir reicht es, ehrlich gesagt auch! Ich weiß nicht, ob es Absicht von Ava war, dass wir beinahe hier runter gestürzt wären, vielleicht war es auch einfach nur ein dummer Zufall! Immerhin kenne ich die Gegend hier nicht. Im Augenblick sehe ich hier auch keine Gefahr; Kida, wie sieht es bei dir aus? Spürst du irgendwas?"

Es war in der Tat sehr dunkel, sie sahen zwar noch etwas, doch sehr, sehr spärlich. Kida hatte ihre inneren "Alarmanlagen", von denen sie, dank ihres tierischen Instinktes, vielleicht mehr hatte, als die anderen, bereits angeschaltet und spürte ebenfalls keine Gefahr. Schließlich war auch sie der Meinung, dass sie sicher waren, jedenfalls vorerst. "Hier ist niemand, jedenfalls nicht, in absehbarer Nähe! Wir sollten uns jetzt hinter dieser Statue verstecken und auf Ava warten. Und darauf, was dann passieren wird!" fügte sie noch mit einem Seitenblick auf Angel hinzu.
Die anderen schwiegen und so liefen sie schließlich dorthin um sich zu postieren und die Gegend im Auge zu behalten...

Einige Zeit später, sie wussten nicht, wieviel Zeit vergangen war, sahen sie schließlich Ava. Sie ging schnell und kam direkt auf die Statue zu. Kida, Yuna, Taliya und Faelia blickten hinter sie, ob sie jemanden erkennen konnten, der ihr folgte, doch sie sahen niemanden, Moira war zu weit entfernt, als dass sie sie erkennen konnten, nicht einmal Ava hatte bemerkt, dass diese ihr gefolgt war.
Nur Angel glaubte nicht mehr daran, dass Ava noch böse war. Sie trat als erstes hinter der Statue hervor, als Ava beinahe bei ihnen war. Das erste, was ihr auffiel war, dass ihre Aura sich verändert hatte. Sie wusste noch ganz genau, welche "Farbe" diese gehabt hatte, als sie sich das letzte Mal gesehen hatten - sie fröstelte, als sie daran zurück dachte. Es war zu der Zeit gewesen, als sie von Ava gefoltert wurden, und es war tiefes Schwarz gewesen. Nun war das flimmernde Etwas, was sie um ihren Körper herum sehen konnte, kein Schwarz mehr. Es wunderte sie etwas, dass es kein buntes Flimmern war, wie bei ihren Freunden. Stattdessen war es ein leichtes Grau, mit einem Stich ins Weiße. Man konnte es als ein "Grau-Weiß" bezeichnen, und noch wusste Angel nicht, was sie davon halten sollte. Dennoch vertraute sie ihr, da sie dieses so noch nie an ihr gesehen hatte.
Sie musste sich geändert haben, sonst würde es sich ihr nicht so zeigen!

Und so trat sie schließlich vollständig aus dem Versteck und ging auf ihre Schwester zu. Sie hörte den Ausruf ihrer besten Freundin, die sie wohl davon abhalten wollte, doch dann merkte sie, wie auch die anderen hinter ihr hervor traten. Alle blieben hinter ihr stehen und blickten Ava an, als diese schließlich vor ihnen stand.

Abgesehen von Angel blickte Ava offenes Misstrauen bis Hass entgegen. Sie konnte es sehen und spüren. Sie versuchte, sich zu beherrschen. Natürlich konnte sie die Gefühle der anderen verstehen, sie hatte nichts anderes erwartet. Und so blickte sie die einzige an, die anscheinend nicht so dachte, wie ihre Freunde: Angel! "Ihr habt es also hierher geschafft. Gut! Dann werde ich euch jetzt den Weg in die Katakomben zeigen und wir werden uns von dort zu dem Einhorn begeben..." fing sie an, als ob nichts gewesen wäre. Einfühlungsvermögen war noch nie Avas Stärke gewesen, und sie spielte ihre Angst - sollte sie wirklich welche haben - herunter, in dem sie die Führung übernahm; beziehungsweise übernehmen wollte.

Yuna trat einen Schritt auf sie zu. In ihren Augen funkelte immer noch der blanke Hass. Sie hatte nichts von dem vergessen, was Ava ihr angetan hatte. Sie hatten zwar die Zeichen nicht mehr, die diese ihr eingraviert hatte, aber sie fühlte noch jeden einzelnen Schnitt, den diese ihr in die Haut geritzt hatte. "Du glaubst nicht allen Ernstes, dass wir dich mitnehmen? Oder noch schlimmer, dir die Führung überlassen?? Es ist schlimm genug, dass du jetzt hier bist und wir uns mit dir treffen müssen, aber Angel hat uns leider keine Wahl gelassen. Ich kann nicht für die anderen sprechen, aber ich vertraue dir keinen Cent! Niemals werde ich mich in DEINE Hände begeben und dir mein Leben anvertrauen - niemals! Wenn, dann beschreibst du Angel den Weg, durch diese "Katakomben", und dann verziehst du dich wieder! Geh mir bloß aus den Augen, du Missgeburt!"

Angel war erschrocken, über den offenen Ausbruch von Hass, der da aus Yuna heraus kam. Sie konnte es ja auch irgendwie nachvollziehen, aber eigentlich dachte sie, dass auch die anderen darüber nachgedacht hatten und ihr wenigstens eine Chance geben wollten!? Sollte sie sich so geirrt haben?
Ehe sie noch dazu kam, etwas zu erwidern, ließ sich Taliya vernehmen, die an Angels Seite stand. Auch sie funkelte Ava an und sagte: "Yuna hat Recht! Wir nehmen dich nicht mit! Du solltest Angel dankbar sein, dass wir hier sind, obwohl niemand außer ihr dir wirklich traut! Aber ihr zuliebe haben wir schließlich zugestimmt, dich hier zu treffen. Mehr wird sicherlich nicht daraus - gib Angel die Wegbeschreibung und dann verschwinde!"

Weiter kam Taliya nicht. Ava hatte bis jetzt mit verschränkten Armen und verkniffenen Mund dagestanden und nichts weiter gesagt, jetzt reichte es ihr. Langsam sah sie von einem zum anderen, dann antwortete sie, mit lauter, klarer Stimme: "Und IHR glaubt nicht wirklich, dass ihr es ALLEINE, ohne meine Hilfe, durch die Katakomben schaffen werdet? Wenn ihr das meint, seid ihr verrückt! Abgesehen davon, wenn ich dieser Meinung wäre, wäre ich nicht hier! Oder meint ihr, ich fände es schön, hier zu stehen, und mich mit euch abzugeben?...
Sie fing Angels Blick auf und verstummte kurz. Sie hatte noch mehr auf der Zunge liegen, doch etwas an dem Blick ihrer Schwester ließ sie verstummen. Dann atmete sie einmal tief durch und fuhr etwas gemäßigter fort: "Hört mir zu: ich sage es nur einmal: Die Katakomben sind ein Labyrinth! Es ist so schon schwer genug, sich dort zurecht zu finden; und ich kann den Weg auch nicht beschreiben - ich muss ihn selbst gehen! Und selbst, wenn ich ihn Angel oder euch beschreiben würde, glaube ich kaum, dass ihr den richtigen finden würdet, es ist zu verwinkelt dort - und zu dunkel. Es ist schwärzeste Nacht dort unten und unter normalen Bedingungen sieht dort unten niemand was! Abgesehen von den Kreaturen, die dort hausen. Also, wenn ihr eine Chance habt, die Katakomben lebend zu durchqueren, um dann zu eurem Einhorn zu gelangen, dann nur mit mir!"...

Nun war sie es, die nicht weiter kam, denn Faelia unterbrach sie: "Woher kennst du dann den Weg? Wenn du sagst, er ist verwinkelt und wilde Kreaturen hausen dort? Und vor allem, wie willst du uns den Weg zeigen, wenn dort alles so dunkel ist, dass man nichts, aber auch gar nichts, sehen kann? Oder bist du anders als wir?" fügte sie noch hinzu.
Ava blickte die Fee an. Sie konnte sich denken, wer diese war. Sie hatte Ähnlichkeit mit den Feen, die sie getötet hatten, und etwas war an ihr, dass sie äußerst misstrauisch werden ließ. Doch noch ließ sie sich nichts anmerken, sondern antwortete, immer noch ruhig: "Ja, ich bin "anders"! Wie ihr euch denken könnt, habe ich auch Fähigkeiten, und eine davon ist, dass ich im Dunkel besser sehe als jemals zuvor. Es ist hier gerade taghell für mich! In den Katakomben ist es nicht ganz so hell wie hier, aber immer noch hell genug - ich habe sie bereits durchschritten, ich kenne mich dort unten aus. Und bis jetzt habe ich keine Feinde dort unten gehabt, allerdings fürchte ich, dass sich dies ändern wird, wenn ich mit euch da rein gehe! Dann müssen wir es schaffen, alle auszuschalten, die sich da unten herum treiben und uns angreifen - bevor Raoul etwas merkt"...

"Raoul", wiederholte Faelia langsam, "du nennst den Herrscher bei seinem Namen?" In ihrer Stimme klang unverhohlenes Misstrauen. Ava nickte: "Sicher... Wir stehen uns nahe, was euch sicher bekannt sein dürfte! Tu doch nicht so! Und bevor ihr fragt: Bevor ihr in die Nähe des Einhorn kommt, und in der Lage seid, alleine weiter zu machen, muss ich euch alleine lassen. Er darf nichts davon erfahren, dass ich die Seiten gewechselt habe, sonst bringt er nicht nur euch um, sondern auch mich! Aber so lange wie es geht, begleite ich euch, dann müsst ihr es alleine schaffen! Ich kann euch nicht zwingen, mir zu vertrauen, dass tut keiner von euch, dass ist mir klar, aber wie ich schon sagte, ihr braucht miihrch, wenn ihr es schaffen wollt. Und ihr wollt doch das Einhorn befreien, bevor Raoul es tötet, oder nicht!?!"

Angel sah ihre Schwester an, ihr gefiel ganz und gar nicht, was sie gehört hatte. Dass diese im Dunkeln sehen konnte, war natürlich ein Vorteil für sie, aber das andere? Dass sie dem Dunklen Herrscher so nahe stand und diesen bei seinem Namen nannte, und dass sie hinterher wieder zu ihm zurück kehren wollte - DAS gefiel ihr überhaupt nicht!
"Warum willst du wieder zu ihm zurück? Wenn wir Una befreit haben, können wir doch gemeinsam zu ihm gehen und ihn GEMEINSAM besiegen!..." wollte sie anfangen, doch sie hörte Ava schallend lachen: "Ah ja, sicher.. Und wie bitte, stellst du dir das vor?? Meine Güte, Angel, er ist nicht wie die "kleinen Biester", die ihr vielleicht schon bekämpft habt - wenn überhaupt! Er ist nicht mal mit dem zu vergleichen, was Moira und ich bereits besiegt haben! Und was wir jetzt gemeinsam in den Katakomben bekämpfen werden! ER ist ein ganz anderes Kaliber!" "Aber es steht in der Prophezeiung, dass wir alle zusammen den Dunklen besiegen werden...", wollte Angel wieder anfangen. Sie war fest davon überzeugt, dass sie, wenn ihre Schwester sich ihnen anschloss, und sie ihn alle gemeinsam bekämpfen würden, auch den Sieg davon trügen!

Ava blickte zurück. War Angel wirklich so naiv, dass zu glauben? Schließlich sagte sie: "Angel, ich sag es dir nur noch einmal: Der Dunkle, wie ihr ihn nennt, ist nicht nur vom Namen her dunkel! Er ist etwas anderes - und wir können ihn jetzt noch nicht besiegen! Ich muss ihn von innen heraus schwächen! Das geht nur so! Ich habe auch bereits einen Plan, aber das würde jetzt zu lange dauern, den offen zu legen. Davon ab, wir haben nicht ewig Zeit! Wollt ihr hier noch Stunden mit mir diskutieren, oder kommt ihr jetzt mit? Ich werde sonst wieder gehen, und ihr könnt sehen, wo ihr bleibt - geht von mir aus alleine durch das Labyrinth des Schreckens, aber beschwert euch hinterher nicht, wenn ihr es nicht überlebt!"

Kida hatte sich bisher zurück gehalten; sie hatte sich alles angehört, was ihre Freunde - und Ava - gesagt hatten. Ihr war klar, dass es schwierig werden würde, und dass die einzige, die zu Ava halten würde, natürlich Angel war. Doch nun hatte sie sich entschieden, einzugreifen: "Also gut, Ava. Auch ich sage das, was ich zu sagen haben, nur einmal: Ich nehme einfach an, dass wir dir vertrauen müssen, auch, wenn ich es selbst nicht gerne tue. Nach allem, was du getan hast, bin ich eher zwiegespalten - dennoch bin ich gewillt, dir eine Chance zu geben. Ich weiß, dass Angel dir vertraut. Dass hat sie von Anfang an, obwohl du sie gefoltert hast! Ich weiß nicht, ob du es weißt, aber sie hat deine Schmerzen gespürt, als Moira dich massakriert hat, sie hat darum gebettelt, dass diese aufhören möge... Ich war selbst nicht Herrin meiner Sinne, doch wenn ich einmal wach war, und die Schmerzen gespürt habe, die Moira mir zugefügt hat, habe ich ihre Schreie gehört! Und du sicherlich auch!"

Sie kam nicht weiter. Angel wusste nicht, weshalb Kida dies alles sagte, und aus der Versenkung hervor holte, und wollte sie stoppen: "Kida..." fing sie an, doch dieses Mal war es Ava, die sie unterbrach: "Wieso erzählst du mir das?" knurrte sie. "Weil ich an dein Gewissen, solltest du tatsächlich eines haben, und uns hier nichts vormachen, appelieren, will, deswegen!"
Dann sah sie Angel an und fragte, scheinbar völlig zusammenhanglos: "Wie sieht ihre Aura aus, Angel?" Angel hatte noch niemanden von ihnen erzählt, was für eine Farbe diese hatte.
Die anderen starrten ebenfalls auf Angel und auf Ava. Daran hatte in diesem Augenblick niemand mehr gedacht... Auch Ava blickte zu Angel, denn sie hatte ebenfalls völlig vergessen, dass dies Angels Fähigkeit war, oder es war ihr nicht so wichtig vorgekommen. Nun wollte sie es selber wissen: Hatte sich etwas verändert? "Ja, sag schon, welche Farbe, hat meine Aura?" "Hat sie überhaupt eine?" grollte Yuna, die immer noch sehr unversöhnlich schien.

Angel blickte zu ihr herunter und sah dann erneut zu ihrer Schwester. Schließlich nickte sie und sagte dann leise: "Ja, sie hat eine, Yuna, und ja, sie hat sich verändert. Sie ist... nun ja, ich weiß nicht recht, was es für eine Farbe ist; sie geht ins hellgraue - beinahe weiß..." "Grau bis weiß? Sagtest du nicht, unsere wären bunt?" fragte Taliya, immer noch etwas skeptisch. Angel nickte nur, sie konnte es ja auch nicht erklären. Alles was sie wusste war, dass sich Avas Aura verändert hatte, und sie war heller geworden; und selbst das Grau, was sie zu Beginn ihrer Fähigkeit an ihr gesehen hatte, war dunkler gewesen. Sie vertraute ihr einfach, und auch die anderen mussten es doch einfach einsehen, dass Ava auf ihrer Seite stand. Sie blickte zu Kida und in ihren Augen stand eine Bitte, die Kida auch verstand.

Kida blickte zu Ava und fuhr fort: "Also gut, ich komme jetzt zum Wesentlichen: Keiner von uns, abgesehen von Angel, vertraut dir wirklich. Das ist nur allzu verständlich. Trotzdem geben wir dir hier und jetzt eine Chance!"Sie sah die anderen mit stechendem Blick an, bevor diese etwas sagen konnten. "Wir haben keine andere Wahl, dass habe ich jetzt begriffen. Doch eines sage ich dir, hier und jetzt und vor Zeugen: Solltest du uns verraten und wir in eine Falle laufen - und einen eventuellen Angriff überleben - dann wirst DU das nicht überleben. Dafür werde ich höchstpersönlich sorgen!" und sie fletschte ihre Zähne und ließ ein tiefes Grollen hören, das allen Anwesenden eine Gänsehaut über den Rücken laufen ließ. Und das, obwohl sie nicht in ihrer tierischen Gestalt vor ihnen stand. "Das hier sind meine Kinder! Ich werde sie bis auf den Tod beschützen, auch vor dir, wenn es sein muss! Hast du das verstanden? Das hier ist deine einzige und letzte Chance, und die hast du definitiv nur Angel zu verdanken. Ich hoffe, du vergisst das nicht!" schloss sie ihre Predigt ab.

Ava wollte etwas darauf erwidern, als sie ein Geräusch hinter sich hörte. Alle drehten sich um und sahen Moira, die auf sie zukam. Anscheinend hatte sie sich irgendwo versteckt, denn keiner hatte sie zuvor bemerkt. Sie hatte ihren Dolch gezückt und lief schnellen Schrittes auf sie zu.
"Ich hab es doch gewusst" stieß Yuna hervor, und ihr Atem ging stoßweise: "Einmal Verräterin, immer Verräterin!", es war eindeutig, was sie dachte, und auch den anderen stand im Gesicht geschrieben, dass sie genauso dachten. Selbst Angel starrte Ava an, und es trat ein Ausdruck in ihr Gesicht, das dieser einen Stich versetzte. Es war ein eindeutiges Zeichen von Enttäuschung darin zu lesen. "Warum?" flüsterte sie nur, und Ava riss sich aus ihrer Schockstarre, in die sie kurz gefallen war. "Ich hab sie nicht mitgebracht, wenn ihr das meint; sie ist mir gefolgt, und ich Idiot hab es nicht bemerkt, verdammt!" "Und du meinst, dass wir dir das glauben, Mörderin?" ließ sich nun Faelia vernehmen.
"Es ist mir egal, was ihr glaubt", zischte Ava, obwohl etwas in ihrem Ton heraus zu hören war, das die anderen stutzig werden ließ. Es hörte sich beinahe so an, als wäre es ihr nicht egal... Doch sie mussten sich irren, immerhin hatte Ava sie doch herein gelegt. Weshalb sonst war Moira jetzt hier?

Diese hatte sich in der Tat in etwas weiterer Entfernung versteckt und jedes einzelne Wort gehört. Zuerst wollte sie sich auf die Verräterin stürzen und sie für das, was sie ihrem Herrn, und auch ihr, angetan hatte, töten, doch dann trat ein hinterhältiges Lächeln auf ihr Gesicht. Sie hatte eine bessere Idee.
Sie zückte ihren Dolch und lief auf sie zu. Es dauerte nur ein paar Minuten, bis sie schließlich entdeckt wurde und bei ihnen war: "So, meine Liebe, hier bin ich" sagte sie, als sie schließlich bei ihnen stand und lächelte zuckersüß. "Du hast ganze Arbeit geleistet, dass muss ich zugeben. Noch bin ich allein gekommen, so, wie wir es ausgemacht haben; doch die Verstärkung naht bereits. Sie werden bald hier sein, um die Gefangenen erneut in Beschlag zu nehmen. Gut gemacht, mein Kind...!"

Weiter kam sie nicht, Ava hatte sich vor sie gestellt und funkelte sie an. Sie wusste nicht, wieso sie nicht bemerkt hatte, dass Moira ihr gefolgt war. Vermutlich hatte diese ihre Fähigkeiten, was Spurenlesen und Verfolgung anging, weiter ausgebaut. Doch das war im Grunde auch egal, jetzt ging es darum, den anderen zu beweisen, dass sie nichts damit zu tun hatte! Sie konnte spüren, dass diese ihr gar nichts mehr glaubten, auch Angel nicht...
"Ich bin nicht dein Kind!" knurrte sie, dann fuhr sie fort: "Du weißt ganz genau, dass ich dich nicht mitgebracht habe - es ist mir ein Rätsel, wie du mir folgen konntest, ohne dass ich es bemerkt habe, aber anscheinend bist du auch dahingehend besser geworden." Sie riss sich zusammen. Es sollte nicht so aussehen, als hätte sie Achtung vor ihrer ehemaligen Amme."Ich werde nicht zulassen, dass du mir oder einem der Mädchen hier etwas antust oder unsere Pläne vereitelst! Abgesehen davon glaube ich nicht, dass noch jemand kommt - sie wären schon längst hier, wenn du etwas davon gewusst hättest, nicht wahr?"
Ava war sich nicht sicher, ob es stimmte oder nicht, aber sie fühlte einfach, dass Moira ihr vermutlich alleine hinterher geschlichen war. Sie konnte es zumindest nur hoffen. Diese hielt ihren Dolch immer noch in der Hand. Dann machte sie einen Schritt auf Ava zu, die in einer Millisekunde ihr Wurfmesser zog.

Die Mädchen und Faelia waren einen Schritt zurück getreten und sahen sich an, was weiter geschah. Keine von ihnen hatte eine Ahnung, was hier passierte. War das ganze ein abgekaptertes Spiel? Doch wenn, dann machte Ava ihre Sache verdammt gut. Und wieder war es Angel, die erneut an die Unschuld ihrer Schwester glaubte, und Angst bekam, dass sie beim Kampf gegen Moira den kürzeren ziehen könnte. "Wir müssen ihr helfen!" flüsterte sie, und blickte zu Kida herüber. Diese schüttelte den Kopf. Sie hatte Ava eine Chance gegeben, gegen den Willen der anderen - und ihrem eigenen, Angel zuliebe.
Nun wusste sie selbst nicht mehr, ob dies nicht ein Fehler gewesen war und sie wollte zuerst sehen, was weiter geschah: "Nein! Lass sie! Wir werden nicht eingreifen - noch nicht! Vielleicht müssen wir das auch gar nicht, und wenn doch, dann werden wir es noch früh genug tun!" und sie sagte es in einem Ton, dem auch Angel nicht widersprechen konnte. Alleine konnte sie sowieso nichts tun, doch es gefiel ihr nicht, Ava im Stich zu lassen..

Diese hatte schon bemerkt, dass sich die anderen von ihr entfernt hatten, doch das war jetzt ihr geringstes Problem. Sie hatte ihr Wurfmesser in der Hand und holte aus - um es Moira an den Kopf zu werfen. Diese zog diesen in der letzten Sekunde ein und das Messer surrte um sie herum.
In diesem Augenblick ließ Moira ihre Tarnung fallen und stieß mit ihrem Dolch auf Ava zu. Dieser gelang es gerade noch, zur Seite zu springen und rammte sie in ihre Seite, so dass Moira auf den Boden fiel. Diese rappelte sich so schnell sie konnte wieder auf und stieß mit dem Dolch zu - dieses Mal in Avas Bein, die nicht schnell genug zur Seite springen konnte.

Ava brüllte auf und auch Angel schrie. Sie wollte zu ihrer Schwester, doch Taliya und Kida hielten sie auf. Dieses Mal nicht aus Misstrauen zu Ava, sie alle spürten langsam, dass der Kampf echt war. Es ging hier um Leben und Tod, und sie waren zu nah beieinander, um eingreifen zu können. "Sie bringt dich um!" stieß Taliya hervor, als Angel erneut nach vorne wollte. "Versteht ihr es denn immer noch nicht??" brüllte Angel unter Tränen zurück: "Ava ist auf unserer Seite! Moira brint sie um!" "Mein Gott, ich meine doch Moira!! Moira bringt dich um, wenn du ihnen zu nahe kommst! Wenn es jemand schafft, sie zu besiegen, dann Ava! Bitte - bleib hier!" schrie Taliya zurück und auch in ihrem Gesicht war der Schock zu lesen. Langsam beruhigte sich Angel wieder und spürte, wie sie von Kida in den Arm genommen wurde. Die Angst um Ava war unbeschreiblich, und Angel konnte es kaum ertragen, während die beiden sich bekämpfen.

Ava war aufgestanden und hatte den Schmerz, den sie zuerst gespürt hatte, erfolgreich verdrängt. Sie hatte den Schrei ihrer Schwester gehört, und zuerst durchfuhr sie ein Gefühl der Angst, das sie so noch nie gespürt hatte, als sie dachte, dass doch andere Wesen hier wären und sie angriffen.
Doch dann wurde ihr klar, dass Angel mal wieder ihre Schmerzen gespürt hatte, und erneut ihretwegen schrie. Und dieses mal durchfuhr sie eine Wärme, die sie ebenfalls nicht kannte. Sie spürte neue Kraft in sich und riss sich erneut zusammen. Wieder nahm sie das Wurfmesser und warf es nach Moira, die sich mittlerweile ebenfalls wieder gefangen und aufgestellt hatte. Sie lief ein paar Schritte rückwärts. Und Ava folgte ihr. Moira merkte nicht, dass sie auf den Steilhang zuging; und kurz, bevor sie dort war, versuchte diese erneut, mit ihrem Dolch nach Ava zu stoßen.
Doch Ava war schneller. Sie zielte mit ihrem Messer auf Avas Arm und schaffte es, ihr den Dolch zu entreißen. Dann stürzte sie sich ohne Warnung auf sie - und stieß sie den Abgrund hinunter. Alle hörten den gellenden Schrei der Amme, der scheinbar kein Ende nehmen wollte.. Moira war dem Tod geweiht, doch es schien noch zu dauern, denn der Schrei hallte immer noch in ihren Ohren...

Ava brauch hechelnd auf der Erde zusammen. Ihr Bein blutete und sie merkte erst jetzt wieder die Schmerzen, die sie hatte. Dann fühlte sie, wie jemand sie drückte. Und sie fühlte Tränen auf ihrer Wange, die nicht ihre waren: "Mein Gott, Ava.. Es tut mir so leid; ich wollte dir helfen, aber ich konnte nicht.. Bitte, verzeih mir!" hörte sie Angel schluchzen, und kurz darauf eine andere, etwas härtere Stimme, die Angels Namen rief.

Ava sah hoch. Zuerst schob sie ihre Schwester sanft von sich weg, dann versuchte sie aufzustehen, doch es misslang kläglich. Schließlich blickte sie Angel ins Gesicht, und antwortete, beinahe tonlos: "Es gibt nichts, was ich dir zu verzeihen hätte, Angel.. Es ist wohl eher anders herum. Ihr hättet mir nicht helfen können, ich nehme an, dass wussten deine Freunde... Ich hoffe ihr glaubt mir jetzt wenigstens, dass ich es nicht geplant hatte, weder, dass sie mir folgt, noch dass ich gezwungen war, sie zu töten!" Ein wenig Wehmut klang in ihrer Stimme mit. Sie war 16 Jahre lang ihre Amme gewesen, und nun hatte sie sie töten müssen. Bildete sie es sich nur ein, oder waren ihre Schreie immer noch nicht verstummt?  Wie lang war dieser Abgrund? Selbst Ava schauderte es.

Die anderen sahen sich an. Langsam kam Yuna auf Ava zu und Angel blickte zu ihr. Was hatte sie vor? Doch diese nahm einen Beutel aus ihrer Tasche und kniete sich zu Ava nieder. Dann sah sie Ava an und sagte: "Ich kann dir nicht versprechen, dass ich dir verzeihen kann. Noch ist es nicht soweit, dafür hast du mir, und uns, zuviel angetan! Aber ein Anfang ist gemacht, mit dem, was du gerade getan hast! In diesem Beutel hier sind Heilkräuter und ich habe gelernt, damit umzugehen. Darf ich deine Wunde versorgen? Immerhin müssen wir jetzt bald aufbrechen, sonst kommen wir nie in die "Höhle des Löwen" - zudem wartet Una auf uns!"

Sie hatte so ruhig gesprochen, wie noch nie zuvor und auch, wenn man merkte, dass ihr Misstrauen, das von allen hier bisher am Stärksten gewesen war, immer noch nicht ganz verschwunden war, so rechnete Ava ihr hoch an, dass sie ihr anscheinend nun doch eine Chance geben wollte. "Danke", sagte sie, und dann fuhr sie fort: "Ja, du darfst mir die Wunde versorgen, ich bitte darum. Wir müssen uns in der Tat beeilen, je später es wird, desto mehr Kreaturen lauern da unten - auch, wenn ich denke, dass Moira niemandem etwas erzählt hat, trotzdem wird es mehr als gefährlich werden und wir nicht mehr viel Zeit verlieren!"

Yuna nickte und machte sich an die Arbeit. Wenige Minuten später war sie fertig und hatte zuerst eine Salbe aus frischen Heilpflanzen auf Avas Wunde gestrichen. Dann legte sie ihr noch eine große Pflanze darauf und befestigte diese mit einer Art Honigsalbe, damit sie kleben blieb.
Ava spürte keinen Schmerz mehr. Schließlich konnte sie aufstehen und war sogar ein wenig beeindruckt. Doch zugeben würde sie dies nie, denn ein wenig Stolz wollte sie sich vor dieser "Puppe", denn für sie war Yuna bisher nicht mehr gewesen, noch behalten. Und vor den anderen auch!
"Gehen wir, folgt mir, wir müssen dort lang!" sagte sie nur und begann, immer noch leicht humpelnd, einen Weg einzuschlagen. Zögernd folgten die anderen ihr. Sie hatten begriffen, dass sie keine andere Chance hatten und Avas Kampf mit Moira hatte sie doch ein wenig über ihr Misstrauen nachdenken lassen. Dennoch war nicht alles verschwunden. Besonders bei Faelia war noch alles da - und es kam noch etwas anderes hinzu: Hass! Sie wollte sich an Ava rächen, doch zuerst brauchte sie das Mädchen, bis sie Una gefunden und befreit hatten, würde sie stillhalten. Doch dann, wenn ihre Aufgabe erledigt war, würde sie Ava töten. wenn es sein musste, mit ihren eigenen Händen!

Angel war noch kurz an der Klippe stehen geblieben und blickte nach unten. Sie wusste selbst nicht, wieso... Alles, was sie sehen konnte, war ein riesengroßes Nichts, graue Leere, kein Boden unter ihr; doch sie meinte, immer noch den Schrei der Amme hören zu können, was eigentlich völliger Unsinn sein müsste. Es war schon zu lange her, mittlerweile musste Moira doch auf dem Grund aufgeschlagen, und tot sein! 'Und wenn es keinen Grund gab, auf dem sie aufschlagen konnte?' dachte Angel. Doch dann schalt sie sich dieser Gedanken, von denen sie nicht einmal wusste, woher sie kamen..
Während sie noch da stand und sich nicht rührte, hörte sie Taliyas Stimme, die nach ihr rief und auch die anderen, unter anderem ihrer Schwester. Sie sah sie alle in etwas weiterer Entfernung stehen und zu ihr herüber blicken, das riss sie aus ihrer Lethargie und sie rannte zu ihnen herüber. "Alles in Ordnung, Angel?" fragte Taliya, und sie nickte nur. Sie sah Avas Blick auf sich, doch sie sagte nichts mehr. Dann setzte diese sich erneut in Bewegung und die anderen folgten ihr - in die Katakomben, oder auch das Labyrinth. Eventuell ohne Wiederkehr?...

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Christal, 31
Traumland