41. Von Feinden zu Verbündeten
Wenige Sekunden, nachdem die Mädchen verschwunden waren, tauchten sie am Fels der Quelle wieder auf. Taliya hatte sie dorthin gebracht, wo sie bereits einmal gestanden hatten, bevor sie zu der Quelle der Weisheit gelaufen waren. Direkt am Anfang der Höhle, hinter dem Wasserfall. Sie waren gut gelandet, und wollten sich gerade auf den Weg zur Quelle machen, als sie Flügelschläge hörten. Entgeistert fuhren sie herum, sie hatten keine Ahnung, was oder wer da auf sie zukam; doch bevor sie darüber nachdenken konnten, war es auch schon zu spät: Sie wurden angegriffen, und wussten nicht einmal, wie ihnen geschah..
Die Flugwesen hatten, kurze Zeit nachdem sie ihre Absprache mit Raoul getroffen hatten, den See und den Berg erreicht, hinter dem sich die Quelle befand. Sie brauchten nicht lange zu warten, ihr Anführer spürte, dass die Mädchen bereits dort waren. Wohl noch nicht sehr lange, und direkt hinter dem Wasserfall. Sie zögerten nicht lange, und griffen an. Es wurde keine Zeit mit Warnungen oder ähnlichem verwendet, denn sie hatten die Vernichtung der Feinde vereinbart.
Also schossen sie durch den Wasserfall, in den Berg und flogen auf die Mädchen zu. Keines von ihnen konnte sich früh genug in Sicherheit bringen, sie waren nicht auf einen Angriff vorbereitet. Mit ihren riesigen Flügeln und ihren Schwänzen schlugen die Wesen um sich - und trafen mit einem Schlag alle Mädchen. Diese flogen wild durch die Gegend. Da sie noch relativ dicht am Rand des Berges standen, schleuderte sie der Schlag mit voller Wucht durch den Wasserfall in den darunter liegenden See.
Alle vier wurden von der Wucht des Aufpralles beinahe erschlagen. Ihnen blieb glücklicherweise die Luft weg, so dass sie nicht einatmen konnten, selbst, wenn sie es gewollt hätten.
Der See war tief und weiträumig, so dass sie sich verteilten und jede von ihnen tief einsank. Die Flugwesen kreisten direkt über ihnen, und warteten nur darauf, dass jede von ihnen endlich auftauchte, um sie dann bekämpfen zu können.
Kida hatte Panik. Sie hatte in ihrem Leben noch nie so eine Panik verspürt, wie in diesem Moment. Und diese Angst bezog sich zur Abwechslung einmal nicht auf die anderen, sondern in erster Linie auf sich selbst. Sie war zur Hälfte Löwin, und als Katzenwesen hatte sie Angst vor Wasser. Sie spürte bereits eine Abneigung, wenn sie Wasser nur sah - was auch der Grund für ihre Erleichterung gewesen war, als sie, vor gefühlten Ewigkeiten, hinter Moira und Ava hergelaufen war, und diese wieder aus dem Berg zurück gekommen waren. Sie wollte auf keinen Fall in den See, um die beiden zu verfolgen. Das brauchte sie dann glücklicherweise auch nicht.
Und nun waren sie überfallen worden, von wem oder was hatte sie nicht wirklich mitbekommen, und sie war IN dem See. Und anscheinend auch noch extrem tief! Eigentlich konnte Kida schwimmen, zumindest in der Theorie, aber nun, da sie sich in einer extremen Notsituation befand, und das ganze nicht geplant war, überkam sie die Angst. Sie ruderte wild mit den Armen, anstatt vernünftige Schwimmbewegungen zu machen, die sie eigentlich kennen sollte. Dazu kam auch noch, dass sie merkte, wie ihr die Luft weg blieb. Sie wollte einatmen - tief Luft holen - doch im letzten Augenblick fiel ihr ein, dass sie es besser lassen sollte. Dennoch spürte sie, dass ihr nicht mehr viel Zeit blieb. Ihre Lunge brannte. Sie war beinahe blind, und wusste nicht, ob es ihre Augen waren, oder das Wasser, das von außen doch relativ hell gewirkt hatte. War es vielleicht in der Tiefe trüb? Sie wusste es nicht, doch das war jetzt auch relativ egal. Ihr war alles egal. Sie ruderte immer noch wild um sich, in ihrem Kopf rauschte es, und sie hatte das Gefühl, wahnsinnig zu werden...
In diesem Augenblick regte sich etwas, das Kida ebenfalls ganz vergessen hatte: Ihre Kette! Sie trug einen Löwen aus Kristall an einem braunen Lederhalsband um den Hals. Ihre Mutter hatte es ihr bei ihrer Geburt bereits umgelegt, aber nie etwas dazu gesagt. Sie hatte es immer als wunderschön empfunden, aber was es für eine Bewandtnis hatte, wusste sie, ehrlich gesagt, nicht. Nun begann der Kristall zu leuchten. Kida merkte es nicht einmal, nur ihre Augen leuchteten ebenfalls in einem strahlenden Gelb. Und wenige Sekunden später merkte sie, dass sie ruhiger wurde. Ihre Panik verschwand, sie spürte zwar immer noch eine gewisse Restangst, aber sie war in der Lage, nachzudenken, was sie vorher definitiv nicht gekonnt hatte. Zuerst konzentrierte sie sich auf ihre Lunge. Dort war zwar nicht mehr wirklich viel Luft vorhanden, aber es reichte noch, um diese zu sammeln, und zu wissen, dass sie nicht sofort ertrinken würde. Noch war es nicht soweit. Dann erinnerte sie sich wieder an die Bewegungen, die sie zum Schwimmen brauchte, und begann diese auszuführen. Und langsam kam auch ihr Sehvermögen zurück. Nicht so gut, wie an Land, aber sie konnte etwas erkennen. Und schließlich erinnerte sie sich auch wieder an die anderen. Wie konnte sie ihre Freunde vergessen?
Kida schalt sich selbst. Sie war eine Löwin, verdammt! Und sie hatte die Verantwortung den anderen gegenüber, ihren Kindern!
Langsam sah sie sich um. Viel Zeit hatte sie nicht mehr, das wusste sie auch, aber bevor sie auftauchte, musste sie ihre Freunde suchen. Neben sich entdeckte sie niemanden. Der See war weitläufig, und der Schlag, der sie getroffen hatte, war hart gewesen. Wer wusste, wohin es die anderen verschlagen hatte? Doch sie durfte nicht aufgeben! Langsam begann sie, durch den See zu tauchen und konnte nur hoffen, wenigstens eines der Mädchen zu finden, bevor sie keine andere Wahl hatte, als aufzutauchen. Außerdem ahnte, nein wusste, sie ebenfalls, dass oben der Feind auf sie warten würde..
Währenddessen hatte Yuna ebenfalls den Aufprall gespürt, und war zuerst benommen gewesen. Sie war ebenfalls tief gesunken, und weit entfernt von den anderen gelandet. Auch neben ihr war niemand sonst. Sie spürte Schmerz, und auch sie konnte gerade noch rechtzeitig den Drang widerstehen, einzuatmen, was ihren Tod bedeutet hätte.
Doch sie wusste sofort, dass sie sich zusammen reißen musste. Panik war das tödlichste, was ihr jetzt passieren konnte. Sie kümmerte sich erstmal auch nicht um die anderen, sondern in erster Linie um sich selbst. Sie konzentrierte sich auf ihre Schmerzen und spürte, wie endlich ihre Selbstheilungskräfte, die, vor gefühlten ewigen Zeiten, von Ava ausgeschaltet worden waren, dieses Mal einsetzten. Ihre Schmerzen verschwanden. Dann kümmerte sie sich um ihre Lunge. Sie hatte bereits angefangen zu brennen und Yuna wusste, dass sie nicht viel Zeit hatte, bevor die Luft ganz weg war. Sie konnte diese auch nicht "ersetzen", oder sich eine zweite Lunge "herbei zaubern", aber sie konnte schon dafür sorgen, dass sie mit der Luft, die noch in ihr war, länger auskam. Und so war sie schließlich soweit klar, dass auch sie sich in ihrer Nähe umschauen konnte. Doch auch sie sah niemanden. Waren die anderen etwa tot? Die Vorstellung erschreckte sie. Das durfte nicht sein! Es konnte natürlich sein, dass sie bereits aufgetaucht waren. Doch was war dann? Auch ihr war bewusst, dass dort oben irgendwelche Wesen lauerten, die ihnen feindlich gesonnen waren. Woher kamen die? Hatte eventuell Ava sie geschickt? Yuna spürte erneut Wut in sich. Wer oder was diese Geschöpfe auch immer waren, und woher sie nun kamen, sie mussten bekämpft und vernichtet werden, bevor sie von ihnen vernichtet wurden! Und so überlegte sie nicht mehr lange, sondern begann den Aufstieg. Dieser dauerte länger als gedacht. Denn anscheinend war der See doch tiefer, als Yuna gedacht hatte. Trotz ihrer Selbstheilungskräfte war ihre Lunge beinahe leer, und brannte wieder, als sie endlich oben ankam...
Taliya war am tiefsten von allen gesunken. Sie hatte keine Selbstheilungskräfte, und ihre Armbänder, die sie am rechten Handgelenk trug, sahen zwar schön aus, hatten aber sonst keinerlei Bewandtnis. Sie konnte theoretisch auch schwimmen, aber auch sie spürte zuerst einen derben Schmerz und dann ein plötzlich auftretendes Panikgefühl, das sie beinahe ebenfalls um den Verstand brachte.
Doch glücklicherweise fiel auch ihr im letzten Augenblick ihre Kraft wieder ein! Sie konnte sich doch teleportieren! Doch was war dann mit den anderen? Was war mit Angel? Gehetzt blickte sich Taliya um, doch sie konnte niemanden um sich herum entdecken. Weder Angel, noch Kida, noch Yuna waren anscheinend in ihrer Nähe! Und wohin sollte sie sich jetzt teleportieren? Wieder zurück in den Berg? Direkt zur Quelle ging ja nicht, aber Taliya fiel wieder ein, dass irgend etwas sie genau dort, in dem Berg, angegriffen hatte. Was war, wenn diese Wesen immer noch dort waren? Und sie ihnen genau in die Fänge fiel? Aber ihr blieb keine Wahl. Sie musste zumindest auftauchen, sonst wäre ohnehin alles egal. Sie war kurz davor zu ertrinken! Auch ihre Lungen brannten immer mehr, der Sauerstoff war so gut wie aufgebraucht...
Also konzentrierte sie sich auf die Wasseroberfläche und hoffte inständig, dass die anderen bereits vor ihr dort sein würden. Hoffentlich unversehrt...
Kida hatte, mit dem wiederkehrenden Mut und ihrer Stärke, nach den anderen gesucht, doch obwohl sie besser sehen konnte als zuvor, war es immer noch nicht gut genug, um die anderen auszumachen. 'So groß kann dieser See doch gar nicht sein, und so tief doch auch nicht', dachte sie. War es möglich, dass er sich verändert hatte, seit sie ihn das letzte Mal zu Gesicht bekommen hatte? Aber jetzt war es müßig, darüber nachzudenken. Sie spürte ebenfalls, dass sie auftauchen musste. Auch ihre Kräfte schwanden. Sie hatte schließlich keine andere Wahl, wenn sie nicht ertrinken wollte. Langsam begann sie, aufzutauchen - auch sie konnte nur hoffen, dass die anderen Mädchen eventuell bereits oben waren. Doch dann kam auch ihr die Erinnerung zurück, dass dort oben Feinde auf sie warteten.
Kida schwamm schneller. Was auch immer sie dort oben erwartete, sie musste es bekämpfen, so gut sie konnte. Kämpfen konnte sie definitiv besser als schwimmen! Als sie beinahe an der Wasseroberfläche angekommen war, bemerkte sie plötzlich einen Schatten in ihrer Nähe. Zuerst erschrak sie, da sie schon an einen Angriff dachte, aber dann fiel ihr auf, dass es eine menschliche Gestalt hatte. Es war eines der Mädchen!
Kida schwamm zu ihr. Als sie bei ihr angekommen war, sah sie, dass es sich um Angel handelte. Sie trieb leblos im Wasser. Kidas Herz klopfte, und sie berührte Angel am Arm. Dann spürte sie Erleichterung, als sie bemerkte, dass Angel noch lebte. Einen kurzen Augenblick hatte sie tatsächlich gedacht sie wäre... Nein, Kida zwang sich, sich erneut zusammen zu reißen und riss Angel an sich, um dann mit ihr zusammen aufzutauchen. Während des Aufstieges wurde diese langsam wieder wach...
Als Kida oben ankam, hörte sie Schreie. Sie konnte nicht viel tun, denn das erste, was sie spürte, war ein Schmerz im Rücken, als hätte ihr jemand eine Axt in diesen gerammt.
Sie tauchte erneut unter, dieses Mal allerdings nur bis kurz unter die Oberfläche. Und der Schmerz ließ sie dieses Mal nicht entmutigen, oder in Panik verfallen - dieses Mal spürte sie Wut. Und sie brauchte ihren Kristall nicht, um das auszuführen, was sie nun tun würde: Kida verwandelte sich in ihre Löwengestalt und tauchte erneut auf. Angel hatte sie bei dem Angriff verloren, doch sie konnte nicht erneut Zeit damit verschwenden, sie zu suchen. Als sie oben ankam, sprang sie so hoch sie konnte, und fuhr ihre Krallen aus.
Sie wusste nicht wirklich, wohin sie schlagen musste, doch das war ihr auch egal. Wild fauchend schlug sie um sich, und dann hörte sie auch einen Schrei. Anscheinend hatte sie etwas getroffen. Aber es blieb nicht bei einem Angriff: Kida konnte nun sehen, von was sie angegriffen wurden: Flugwesen, die aussahen, wie altertümliche Saurier. Diese waren über ihr - und auch, in etwas weiterer Entfernung, über ihren Freundinnen Yuna und Taliya. Anscheinend hatten auch sie es geschafft, dem See zu entkommen - aber dafür mussten sie jetzt auch alle ihre Kräfte aufbieten, um den Angriffen der Flugwesen zu entkommen. Hatten sie eine Chance? Kida wusste es nicht, doch sie kämpfte so gut es ihr eben, unter diesen Umständen, möglich war - in ihrem verhassten Element...
Taliya und Yuna waren kurz vor Kida und Angel aufgetaucht. Auch sie wurden sofort angegriffen, denn die Flugsaurier hatten nur darauf gewartet. Sie hätten ihnen durchaus folgen können, Wasser war für sie kein Problem, aber sie wussten erstens nicht, wohin genau es die vier verschlagen hatte - sie hatten bemerkt, dass sie weit auseinander getrieben wurden - und zweitens hätte es auch sein können, dass sie bereits ertrunken waren. Dann würden sie sich die Arbeit sparen, sie zu suchen. Und doch wollten sie sich der Sache sicher sein; also warteten sie. Nach einiger Zeit tauchte tatsächlich das erste Mädchen wieder auf - und wurde sofort attackiert. Taliya hatte zwar noch die meiste Kraft, da sie nicht so lange unter Wasser geblieben war, aber dafür war sie nicht stark genug, sich zur Wehr zu setzen. Sie hatte keine Waffe bei sich! Weder eine natürliche, denn außer ihrer Teleportationskraft besaß sie keine weitere aktive Kraft - und außerdem kam der Angriff doch unvorbereitet, auch, wenn sie damit gerechnet hatte.
Es tat weh, als auch ihr der Schnabel in den Rücken gehackt wurde. Doch sie blieb wach, und tauchte wieder auf, um dann erneut attackiert zu werden.
Taliya wusste nicht, was sie tun sollte. Selbst wenn sie sich woanders hin teleportieren würde, hatte sie keine Ahnung, ob nicht auch dort etwas auf sie warten könnte. Alles, was sie tun konnte war, wieder tiefer zu tauchen, um irgend etwas zu suchen, was ihr eventuell helfen könnte, sich zumindest gegen diese Brut zu verteidigen. Taliya machte sich auf die Suche...
Yuna hatte ebenfalls Wut im Bauch. Sie spürte, dass da oben etwas auf sie wartete. Und sie hatte auf dem Weg nach oben tatsächlich etwas gefunden, was ihr im Hinblick auf einen Kampf helfen konnte: Einen großen Stock aus massivem Holz, der plötzlich neben ihr getrieben hatte. Mitten im Wasser. Woher der gekommen war wusste Yuna nicht, aber es war ihr auch egal. Sie nahm ihn fest in ihre Hand und schoss damit nach oben. Gerade rechtzeitig genug, bevor ihre Lungen ihr den letzten Rest Sauerstoff ausbliesen...
Leider hatte auch sie die Wesen unterschätzt. Noch bevor sie ihren Stock einsetzen konnte, wurde auch sie mit Schnabelhieben attackiert. Zusätzlich spürte sie Flügelschläge. Und es waren riesige Flügel, die nach ihr schlugen...
Yuna tauchte noch einmal unter, und verlor kurzfristig ihre Waffe. Doch sie war geistesgegenwärtig genug, diese erneut zu fassen zu kriegen. Dann tauchte sie erneut auf - und schlug wild um sich. Es war nicht einfach, gleichzeitig zu schwimmen, sie waren immer noch im recht tiefen Wasser, und zu kämpfen, und doch gelang es ihr irgendwie.
Sowohl Yuna als auch Kida, die in der Zwischenzeit ebenfalls aufgetaucht war, taten ihr bestes, um gegen die Saurier anzukommen. Doch es schien beinahe aussichtslos, zumal diese erstens in der Überzahl waren, und zweitens Taliya nicht wirklich zu gebrauchen war. Diese suchte immer noch nach irgend etwas, was ihr helfen könnte, doch sie fand leider nichts. Und es war beinahe wieder an der Zeit, erneut aufzutauchen, was ihr ihre Lunge mitteilte.
Währenddessen trieb Angel immer noch - oder schon wieder - im See. Sie war kurzfristig an der Oberfläche gewesen, als Kida sie hoch geholt hatte, aber als diese angegriffen wurde, hatte sie Angel loslassen müssen. Angel war benommen. Ihr Aufprall war extrem hart gewesen, und hatte mit einem Schlag die Luft aus den Lungen gequetscht. Ihr Zustand war alles andere als gut, und im Grunde hätte sie Yuna gebraucht, aber diese war nicht in der Lage, sich um sie zu kümmern.
Dennoch hatte der kurze Augenblick des Auftauchens trotzdem gereicht, einmal Luft zu holen, bevor sie wieder untergetaucht war. Sie wusste zuerst gar nicht wirklich, was geschehen war. Dann fiel es ihr wieder ein, als sie langsam klarer wurde: Sie waren angegriffen worden! Kurz, nachdem sie, mit Taliyas Hilfe, in der Höhle gelandet waren, direkt hinter dem Wasserfall, deren Weg zur Quelle der Weisheit führte...
Dann spürte Angel, dass etwas geschah. Direkt über ihr. Es zog sich noch mehr in ihr zusammen; doch es waren keine eigenen Schmerzen, die sie spürte. Sie spürte mal wieder die Schmerzen der anderen, und auch ihre unterdrückten Ängste, und teilweise auch Wut, die in erster Linie wohl von Yuna und auch Kida stammten. Was geschah da oben? Angel wollte es wissen, doch eine innere Stimme sagte ihr, dass sie vorsichtig sein musste. Von ihnen allen war sie diejenige, die bei einem Kampf am wenigsten zu gebrauchen war - hatte ihre Schwester ihr das nicht immer an den Kopf geworfen?
Angels Herz zog sich zusammen, als sie an Ava dachte. Und nicht nur deswegen. Auch ihre Lunge brannte stärker. Sie musste auftauchen! Doch wenn sie das tat, was geschah dann? Wer oder was war da oben, das sie anscheinend bewusst angegriffen hatte? Es schien ja beinahe so, als hätten diese Wesen auf sie gewartet.. Könnte es so gewesen sein?
Und wenn ja, woher wussten sie es? An Ava wollte Angel nicht denken, das kam für sie überhaupt nicht in Frage! Aber irgend jemand musste ihnen doch gesagt haben, wo sie zu finden waren - und abgesehen von Ava konnte eigentlich nur einer etwas von ihren Plänen wissen - wenn ER eines der Bücher zur Hand genommen hatte...
Angel fröstelte. Ja, das hatten sie Raoul zu verdanken! Aber wenn ER über sie Bescheid wusste, wusste er dann etwa auch was Ava plante? Angel wurde noch schlechter, als sie daran dachte. Sie war kurz davor, zu versuchen, mit ihrer Schwester Kontakt aufzunehmen, sie zu warnen - ihr zu sagen, dass sie zurück kommen sollte, auch, weil sie und ihre Freundinnen ihre Hilfe brauchen könnten - aber dann wusste sie, dass es keinen Sinn hatte. Angel hatte keine Ahnung, ob Ava schon bei ihm war. Die Verbindung zu ihr war - vorerst - gerissen, und sie ahnte, dass es gefährlich werden könnte, wenn sie Ava rufen würde. Was wäre, wenn Raoul in ihrer Nähe war? Vielleicht wusste er nur von ihnen, aber nichts von Avas Plänen? Wobei er sich dann sicherlich fragen würde, wo sie steckte?
Trotz allem konnte Angel sie nicht rufen. Wie es auch immer aussah, sie konnte nur hoffen, dass Ava vorsichtig war. Und irgendwann ergab sich bestimmt eine Möglichkeit, ihre Schwester zu warnen - aber jetzt musste sie auftauchen. Es war soweit, auch ihre Lunge konnte nicht mehr.
Angel schwamm so langsam und ruhig sie konnte aufwärts. Sie spürte einen Drang, in eine bestimmte Richtung zu schwimmen, und das tat sie auch.
Plötzlich bemerkte sie eine Gestalt in ihrer Nähe, die etwas zu suchen schien. Angel erschrak zuerst, bis sie Taliya erkannte. Erleichtert schwamm sie zu ihrer Freundin. Als sie bei ihr war, und diese leicht an der Schulter berührte, erschrak diese so extrem, dass sie vor ihr zurück wich. Angel versuchte Taliya zu beruhigen. Schließlich begriff diese, dass es nur ihre Freundin war, die sie berührt hatte. Sie war immer noch auf der Suche nach einer "Waffe", doch im Gegensatz zu Yuna hatte sie keine gefunden.
Taliya konnte ihr Glück kaum fassen, als sie Angel bemerkte. Ihre Freundin lebte! Und schien weitestgehend unversehrt zu sein. Angel überlegte immer noch, was sie nun tun sollten - und kam zu dem Schluss, dass sie auftauchen mussten. Etwas abseits von hier. Sie zeigte Taliya mit ihr zu kommen, und diese folgte ihr, ohne zu wissen, was Angel nun vorhatte. Aber auch ihr ging langsam erneut die Luft aus, und so tauchten sie schließlich einige Meter von dem Gebiet auf, in dem der Kampf tobte...
Taliya und Angel sahen, wie die anderen sich abmühten, gegen ihre Angreifer zu bestehen. Es schien beinahe aussichtslos zu sein. Und endlich konnte auch Angel richtig erkennen, um wen, beziehungsweise um was, es sich handelte. "Flugechsen?", keuchte Taliya, die neben ihr schwamm. Sie war kaum noch in der Lage, sich oben zu halten. Angel starrte die Wesen an. Etwas an ihnen war anders, als sie es sich vorgestellt hatte. Und dann wusste sie es: Ihre Auras waren nicht schwarz, wie bei Raoul und anderen Wesen der Dunkelheit. Sie schienen wild zu sein; und aus welchen Gründen sie auch tatsächlich hier waren, und sie angriffen, es war nicht aus reinem Hass! Das wusste Angel.
Sie sah sich um. Die meisten der Wesen schienen einfache Saurier zu sein und waren mit dem Kampf beschäftigt. Wie lange auch immer dieser schon dauerte, Angel ahnte, dass Kida und Yuna nicht mehr lange durchhalten würden.
Ihr musste etwas einfallen um ihnen zu helfen - doch auch ihr war klar, dass weder sie noch Taliya stark genug waren, um in den Kampf einzugreifen...
Und dann fiel ihr plötzlich ein Geschöpf auf, das anders war. Sie blickte in eine Richtung; in weiter Ferne, am Rande des Sees, stand ein größeres Wesen, das in ihre Richtung blickte...
Taliya schaute in die Richtung, in die Angel blickte: "Was, was ist.." wollte sie fragen, doch Angel winkte ab. Sie begann, auf dieses Wesen zu zu schwimmen. "Angel; Angel, um Himmels Willen, was tust du denn da?" rief Taliya ihr hinterher, doch Angel hörte nicht auf sie. Sie wusste, dass er ihr nichts tun würde. Weshalb, konnte sie nicht mal sagen.
Dann war sie an dem Ufer angekommen. Langsam setzte sie einen Fuß vor den anderen. Sie wusste nicht, ob Taliya ihr gefolgt war, doch das war ihr jetzt erst mal egal. Ihr Herz klopfte, es wäre gelogen, zu sagen, dass sie keine Angst hatte, aber sie ahnte, dass es wichtig war, was sie nun tat.
Und schließlich stand sie vor dem riesigen Wesen. Es sah tatsächlich aus wie eine Echse. Oder besser gesagt wie ein Saurier. Eines der Wesen, über die sie früher einmal in der Schule etwas gelernt hatten. Die allerdings in der Menschenwelt bereits seit Millionen von Jahren ausgestorben waren..
Konnte es diese hier wirklich noch geben? Vielleicht hatte es sie von dort hierhin verschlagen? Aber dies hier war eine völlig andere Welt, vielleicht hatte es sie hier immer gegeben? Sie wusste es nicht, dennoch stand sie nun vor ihm und blickte ihn an. Ohne zu wissen, was nun geschehen würde...
Der Anführer der Saurier - denn um niemand anderes handelte es sich - blickte auf die kleine Gestalt, die da vor ihm stand, Seine Untergebenen kämpften, und er hatte vorgehabt, mit Freuden dabei zuzusehen, wie die Feinde des Dunklen Lords von seinen Kriegern vernichtet wurden - dass es so lange dauern würde, hätte er nicht gedacht. Die kleinen Dinger waren zäher als es sich vorgestellt hatte...
Und dann spürte er plötzlich eine Präsenz, die ihn irritierte. Nicht erst, als diese die Wasseroberfläche erreicht hatte, sondern bereits zuvor. Dieses Wesen hatte etwas an sich, was ihn anzog. Und er wollte wissen, was es war. Also rief er sie. Als diese schließlich kam, sah er, dass es ebenfalls eines der Mädchen sein musste, die der Dunkle Lord vernichtet haben wollte. Sie war zusammen mit noch einem anderen aufgetaucht, doch das interessierte ihn genauso wenig wie die anderen. DIESES Mädchen hier war anders. Und da sie gekommen war, schien sie empfänglich für seine Rufe zu sein - also für Telepathie. Er sprach sie an, um es zu testen: 'Du bist meinem Ruf gefolgt, Menschenkind.. Und du scheinst anders zu sein, als alle anderen, zu denen du gehörst.. SPRICH!'
Angel war beinahe erschlagen; erstens von seiner Gestalt, und dann von der Stimme, die in ihrem Kopf dröhnte. Und was hatte er zu ihr "gesagt"? Dass sie "anders" war? Inwiefern? Sie hatte keine Ahnung, was er meinte, doch sie riss sich zusammen und antwortete: "Bitte, ich, ich weiß nicht, was Ihr meint... Ich bin nichts "Besonderes", jedenfalls halte ich mich nicht dafür.. Doch was ich weiß ist, dass wir euch nichts böses wünschen. Wieso greift ihr uns an? Weshalb wollt ihr unseren Tod? Bitte, bitte lasst meine Freunde in Ruhe! Alles, was wir wollen ist einen Rat von der Quelle der Weisheit! Das hat nichts mit euch zu tun!.."
Weiter kam sie nicht. Der Saurier unterbrach sie. Wieder dröhnte die "Stimme" in Angels Kopf: 'Doch, ihr habt etwas mit uns zu tun! Ihr seid der Preis dafür, dass der Dunkle uns weiterhin in Ruhe lässt! Er hat von unserem Reich erfahren, das seit Ewigkeiten gut geschützt vor aller Augen fern lag. Nur mit der Zusage, bei der Vernichtung seiner Feinde zu helfen, hat er uns einen währenden Frieden versprochen. Deswegen sind wir hier um euch zu töten! Oder hast du etwas, was mich davon überzeugen könnte, von dem Abkommen abzuweichen?' Etwas in seinem Blick ließ Angel frösteln.
Sie blickte ihn an. Hatte sie das richtig verstanden? Die Wesen hatten eine Art Abkommen mit dem Dunklen Lord geschlossen. Angel musste kurz die Augen schließen, dann öffnete sie sie wieder. Das konnte doch nicht sein Ernst sein! Sie blickte ihn an und antwortete: "Hört mir zu, bitte! Glaubt Ihr wirklich, dass der Dunkle Lord sich an Abkommen hält? Vielleicht, so lange es für ihn von Nutzen ist, aber wenn Ihr ihm nichts mehr bringt, wird er Euch auch verfolgen und vernichten, wie alle anderen auch. Ich habe ihn gesehen- ich kann die Auras der Wesen erkennen. Dieser hat keine Aura, er IST seine Aura..." Angel fröstelte, als sie an den Augenblick dachte. Die schwarze Wand, die aus ihm heraus gekommen war...
Der Saurier blickte sie weiterhin durchdringend an. Das war es also, was er an ihr gespürt hatte. Nicht nur, dass sie in der Lage war, seine telepathischen Rufe zu hören - sie konnte die Auras erkennen.. Davon gab es in der Tat nicht viele begabte Wesen - und Menschen schon einmal gar nicht. Sie war tatsächlich etwas besonderes.
Doch noch war er nicht wirklich davon überzeugt, dass sie die Wahrheit sprach: 'Unser Reich kann er nicht vernichten! Und er machte mir schon den Eindruck, als würde er wissen, dass auch ich meine Drohung ihm gegenüber wahr machen würde, wenn ER seinen Teil der Abmachung nicht einhält..' Angel antwortete, mit purer Verzweiflung in der Stimme: "Glaubt mir, er kann! Er kann alles! Vielleicht hat er einen Grund gehabt, weswegen er es bis jetzt nicht getan hat - aber dieses Wesen vernichtet alles! Solange Ihr tut was er will, wird er Euch gewähren lassen, aber irgendwann ist er auch Euch überdrüssig... Wollt Ihr dies wirklich riskieren? Ich bitte Euch - lasst uns gehen! Wir brauchen die Hilfe der Quelle, um zu wissen, was wir als nächstes tun sollen. Bitte!" Ihre Stimme war so verzweifelt, dass der Saurier schließlich den Kopf hob - und einen markerschütternden Schrei ausstieß, der Angel auf den Boden sinken ließ. Auch Taliya, die langsam näher gekommen war, fiel der Länge nach hin und hielt sich die Ohren zu.
Doch der Schrei zeigte Wirkung. Im selben Augenblick ließen die anderen Saurier von Kida und Yuna ab, die sich kaum noch im Wasser halten konnten. Beide hatten tapfer gekämpft, und es zumindest geschafft, sich die gröbsten Angriffe vom Hals zu halten. Dennoch erzielten beide nicht viel Erfolg im Bekämpfen der Flugwesen. Keine von beiden hatte auch nur eins von ihnen schwer verletzen können.
Und nun waren sie langsam beide so geschwächt, dass sie sich kaum noch über Wasser halten konnten. Es schien aussichtslos zu sein, und langsam überkam sowohl Kida als auch selbst Yuna ein Gefühl der Verzweiflung - als auch sie den Schrei hörten. Und merkten, dass die Wesen von ihnen abließen.
Erleichtert und gleichzeitig erstaunt, schauten sie in die Richtung, in die die Geschöpfe flogen - und bemerkten einen weiteren Riesensaurier, am Ufer des Sees. Und neben ihm stand.. Yuna und Kida hielten den Atem an. Das konnte nicht sein! Und doch sahen sie, dass es so war. Dort stand Angel!
Kida und Yuna schwammen so schnell sie konnten. Doch die Angst um ihre Freundin ließ sie beide wieder stärker werden. Kida verwandelte sich erneut in ihre Menschengestalt, und schließlich waren sie an Land. Beide waren erschöpft, und bei Kida überwog die Erleichterung, aus dem Wasser heraus zu kommen. Doch dann riss sie sich zusammen und lief, gemeinsam mit Yuna, zu Angel. "Angel, Angel, bist du in Ordnung?" fragte sie beinahe panisch, und sah sich auch nach Taliya um, die sie tatsächlich, einige Meter entfernt, erblickte. Sie waren wieder alle zusammen - und sie lebten noch... Doch was war das hier für ein merkwürdiges Zusammentreffen?
Angel beantwortete die unausgesprochene Frage: "Warte, keine Angst! Ich glaube, die sind keine Feinde mehr - nicht wahr?" und sie blickte erneut dem Anführer in die Augen.
Dieser war immer beeindruckter von diesem Mädchen. Er spürte, dass sie durchaus Angst hatte, als Wildtier konnte er diese riechen. Genauso wie bei den anderen auch, auch, wenn zumindest bei zweien die Wut mindestens genauso hoch war. Doch dieses Mädchen versuchte, sie zu unterdrücken - und er spürte noch etwas anderes: Echter Glaube und Vertrauen. In ihn...
Die anderen Saurier hatten sich im Kreis um sie herum gestellt und warteten wohl die weiteren Befehle ihres Anführers ab. Auch sie scheinen ein wenig überrascht zu sein, dass dieser sie von dem Auftrag des Dunklen, eben diese Mädchen zu töten, abgehalten hatte. Es hätte nicht mehr lange gedauert..
Doch nun sprach der Anführer erneut zu Angel, die als einzige in der Lage war, ihn zu verstehen: 'in Ordnung, ich werde dir, beziehungsweise euch, eine Chance geben: Geht zu der Quelle der Weisheit. Es gibt nur einen Eingang, beziehungsweise Ausgang - das heißt, ihr werdet später auch hier wieder erscheinen. Selbst, wenn ihr einen Weg finden solltet, anderweitig zu entkommen, so wird dies nicht für immer sein - wir finden euch, egal wo! Vergiss das nicht!' Angel nickte. Sie wusste, dass dies eine Warnung sein sollte. Ob er wusste, dass Taliyas Fähigkeit die der Teleportation war, wusste sie nicht, aber selbst wenn nicht, ahnte sie, dass es keine leeren Lufthülsen waren, die er sprach. Die Saurier würden sie finden, egal wohin sie fliehen würden...
Dann sprach der Anführer weiter: 'Ich bin mit dir verbunden, Menschenkind! Nicht nur, dass wir uns unterhalten können - ich werde alles "sehen", was du und deine Freunde seht. Also das, was die Quelle euch zeigt. Wir selbst können zwar nicht mit hinein, der Weg ist uns versperrt, aber ich werde es durch deine Augen sehen. Und danach werde ich entscheiden, wie euer Schicksal ist! Wenn ihr Pech habt, ist euer Tod nur aufgeschoben; aber es kann auch anders ausgehen! Und nun geht! Deine Freundin soll euch hinbringen!' Und er sah zu Taliya herüber.
Angel schluckte. Also wusste er von ihren Fähigkeiten. Vermutlich auch von Raoul.. Sie blickte zu ihren Freundinnen herüber und erzählte ihnen alles, was der Saurier ihr gerade gesagt hatte. Zuerst war Schweigen. Die anderen wussten nicht recht, was sie sagen, beziehungsweise denken sollten, doch sie ahnten ebenfalls, dass sie keine andere Wahl hatten. Bei allen drehte sich der Kopf, und es steckte auch schwer im Magen, dass Raoul anscheinend über sie Bescheid wusste. Doch sie hatten - noch - keine Zeit, darüber zu diskutieren. Das würde noch folgen.
Dann taten sie schließlich das, was sie bereits einige Zeit zuvor hatten tun wollen; Taliya beförderte sie erneut in den Innenraum des Berges. Hinter den Wasserfall. Dieses Mal wurden sie nicht in den See befördert, doch sie wussten, dass sie dort unten erwartet wurden. Und zumindest Angel wusste auch, dass die Wesen sie überall finden würden. Vermutlich durch die Verbindung zwischen ihr und dem Anführer. Wie auch immer diese entstanden war...
Die Mädchen liefen los und landeten, nach einiger Zeit wieder bei der Quelle, die sie schon einmal besucht hatten. Wieder sahen sie sich zuerst fasziniert in der Höhle um, bevor sie zu der Quelle gingen. Und zuerst blickten sie erneut in kristallklares Wasser, das erst einmal gar nichts zeigte.
Doch dann änderte sich das Bild. Angel und die anderen hielten den Atem an: Was würde diese ihnen nun zeigen? Was sollten sie als nächstes tun, um Ava im Kampf gegen den Dunklen zu unterstützen?
Doch das Bild, was ihnen von der Quelle gezeigt wurde, kam ihnen allen nicht bekannt vor. Es war ein unbekanntes Reich, das niemand, auch Kida oder Yuna, jemals zuvor gesehen hatten. Dennoch kam es zumindest Angel irgendwie bekannt vor...
Und plötzlich ahnte, nein WUSSTE sie, was es war: Das Reich der Flugsaurier, die draußen auf sie warteten. Wieso zeigte ihnen die Quelle jetzt ausgerechnet dieses Land?
Dann wusste sie es: Dunkelheit überkam auch dies. Und in Angel zog sich alles zusammen, denn sie wusste, wer dafür verantwortlich war. ER kam und zerstörte alles. Die Flugwesen, die jetzt noch draußen am See warteten, stürzten einer nach dem anderen tot zu Boden - und die Welt versank im Dunkel...
Angel hatte keine Ahnung, warum ihnen die Quelle das gezeigt hatte, doch sie wusste, dass der Anführer es ebenfalls gesehen hatte. Sowohl sie als auch die anderen warteten noch einige Sekunden, ob noch etwas anderes kommen würde - doch das Wasser wurde wieder klar. "Das war alles?" fragte Yuna schließlich. Und die anderen nickten. "Na, das hilft uns ja jetzt wahnsinnig weiter; wir wissen immer noch nicht, was wir nun tun sollen, oder?" bemerkte auch Taliya, wenn auch nur, um überhaupt etwas zu sagen.
Nur Kida blickte Angel an und sagte: "Ich denke schon, dass dies etwas zu bedeuten hatte. Sonst hätte uns die Quelle dies ja nicht gezeigt, nicht wahr, Angel?" Auch die anderen blickten zu ihrer Freundin, und diese nickte schließlich: "Ja, wir müssen zurück zu den Sauriern. Ich denke, das war ein Zeichen, nicht nur für uns.." Mehr sagte sie nicht, sie machte sich auf den Rückweg, und die anderen folgten ihr...
Ja, der Anführer hatte gesehen, was die Quelle den Mädchen gezeigt hatte, und er wusste, dass es auch ein Zeichen für ihn gewesen war. Er wusste auch, dass die Quelle nicht log, oder falsche Spuren legte. In ihm regte sich Wut. Wut auf diesen Verräter, und Wut auf sich selbst, dass er diesem geglaubt hatte. Hatte er es sich etwa wirklich so leicht vorgestellt? Nein, das war es sicherlich nicht! Er wusste nicht, wann es passieren würde, was die Quelle vorhergesehen hatte - aber er wusste, DASS es geschehen würde. Der Dunkle würde auch sie vernichten. Irgendwann und hinterrücks. Doch nun waren sie gewarnt! Und sie waren keine Verbündeten mehr - sie waren Feinde des Dunklen Herrschers! Diesem sollte es noch leid tun, sich mit ihnen angelegt zu haben - oder es noch zu tun, wie auch immer man es sehen wollte.
Sie warteten, bis die Mädchen zurück kamen. Schließlich war es so weit. Keines von ihnen hatte daran gedacht zu fliehen, denn ihnen war allen klar, dass sie keine Chance hatten; auch, wenn Angel als einzige mit dem Anführer kommunizieren konnte. Dennoch standen sie schließlich alle wieder mit klopfenden Herzen vor ihm und seinen Untertanen. Er sprach erneut zu Angel: 'keine Angst, wir haben gesehen, was ihr gesehen habt! Und nun wissen wir auch, dass du nicht gelogen hast, Menschenkind! Wir werden euch helfen. So einfach lasse ich mich nicht für dumm verkaufen! Vor allem nicht, wenn mein Land in Gefahr ist! Ich weiß nicht, wann es passieren wird, aber ich weiß, DASS es geschieht. Und so werden wir nun diesen Dunklen Kretin angreifen und vernichten!' Weiter kam er nicht, Angel unterbrach ihn: "Wartet! Nicht so schnell! Die Quelle hat uns leider nicht gezeigt, wie wir weiter verfahren sollen; und ich weiß nicht, ob es so eine gute Idee wäre, ihn sofort angzugreifen. Er ist noch zu stark! Außerdem, meine Schwester ist bei ihm, sie will versuchen, ihn von innen heraus zu schwächen. Ich kann nicht riskieren, sie zu gefährden! Bitte, wenn ihr uns helfen wollt, dann müssen wir uns etwas einfallen lassen. Etwas, was ihn schwächt, ja, aber jetzt ist es noch zu früh!" Wieder hörte man die Vezweiflung aus ihrer Stimme. Und die Angst um ihre Schwester, was zumindest Yunas Besorgnis erneut ansteigen ließ, aber sie sagte nichts dazu...
Der Anführer überlegt lange, dann nickte er schließlich. 'In Ordnung - es ist nicht ganz falsch, was du sagst; ein sofortiger Angriff wäre vermutlich nicht ganz leicht...
Du sagst, du hast eine Schwester dort - ich vermute, sie hat ebenfalls Fähigkeiten, die deinen ähnlich sind?' Angel nickte. "Avas Kräfte sind noch stärker, ich habe nur passive Fähigkeiten, aber Ava kann kämpfen..." Der Saurier unterbrach sie: 'mach dich nicht kleiner als du bist! Du weißt anscheinend gar nicht, zu was du mit diesen Kräften fähig bist...Vielleicht wäre es gar nicht schlecht, euch alle noch ein wenig zu unterrichten, bevor er los geht... Ihr kommt mit uns in unser Reich! Dort wird es für deine Freundin, die wenig bis keine Kräfte hat, außer der Teleportation, auch Möglichkeiten geben, sich in der Kampfkunst zu üben! Setzt euch auf unsere Rücken!' Angel starrte ihn an, und glaubte erstmal, sich verhört zu haben. Hatte der Saurier ihnen gerade angeboten, sie im Kämpfen zu unterrichten? Und in der Stärkung ihrer Kräfte? Nachdem die Wesen sie vorhin noch umbringen wollten?
Aber anscheinend war es so, denn er machte eindeutige Zeichen. Und er wurde ungeduldig. Neben ihnen fauchten die Untergebenen, und so ließ Angel die anderen wissen, was sie tun sollten - und nach einigem Gemurmel taten sie, wie ihnen geheißen. Sie hatten auch eigentlich keine andere Wahl. Allerdings ahnte jede von ihnen, dass sie bereits tot wären, wenn die Wesen sie tot sehen wollten. Also stiegen sie schließlich auf deren Rücken - Angel auf den des Anführers - und diese erhoben sich in die Lüfte. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, als sie nur so dahin rauschten; und schließlich scheinbar in den Boden versanken, am Rande der Klippe, in die Moira verschwunden war. Angel wurde ganz anders, als ihr dies bewusst wurde...

