34. Die Katakomben / Das Labyrinth Teil 2 // Unas Befreiung
Ava wusste, dass sie die andere Richtung einschlagen mussten - und sie lief schweigend voran. Instinktiv spürte sie, dass sie richtig waren. Auch, wenn sie es sich nicht anmerken lassen wollte, dennoch schlug ihr Herz lauter als jemals zuvor. Sie hatte Angst. Doch sie riss sich zusammen. Keiner der anderen sollte wissen, dass sie nicht mehr so selbstsicher war wie noch einige Zeit zuvor. Eine Zeit, in der SIE den Ton angegeben hatte - in der sie stark war! Doch was war sie nun? Ava wusste es nicht mehr. Einerseits vermisste sie ihre frühere Gleichgültigkeit, in der ihr alles egal war - doch andererseits bekam sie direkt so etwas wie Gewissensbisse, wenn sie daran dachte, was sie alles getan hatte; im Auftrag "ihres" Lords.
Ja, Ava ahnte, dass es wohl Gewissensbisse sein mussten, obwohl sie früher so etwas nie gekannt hatte. So fühlte es sich also an, wenn man eine "Seele" hatte - und Gefühle, die durchaus schmerzen konnten...
Dann riss sie sich wieder zusammen. Sie war verdammt noch mal hier, um sich und die anderen zu dem Einhorn zu bringen, es zu befreien, und dann die Mädchen zurück zum Ausgang zu führen. Danach würde sie gehen. Zurück zum Lord, wo sie - hoffentlich - noch in der Lage war, ihm gegenüber zu treten, ohne dass er etwas von ihrer Veränderung bemerkte!
Keiner von ihnen wusste, wie viel Zeit bereits vergangen war. Sie liefen immer weiter und keine von ihnen wagte, mehr und lauter zu atmen, als nötig. Es war eine gespentische Stille, die noch zu der kaum ertragbaren Dunkelheit hinzu kam. Dennoch merkte Ava, dass sich die anderen - auch ihre Schwester, der es sicherlich am schwersten von allen fiel - zusammen rissen.
Plötzlich sah Ava, wie sich, einige Meter von ihnen entfernt, eine weitere Wand auftat. Sie erschien, wie aus dem "Nichts". Ava konnte sogar sehen, wie sie sich vor ihren Weg, den sie gerade liefen, schob. Abrupt blieb sie stehen und breitete die Arme aus, damit die anderen, die natürlich nichts sehen konnten, es bemerkten, und ebenfalls stoppten.
Angel merkte als erstes, was ihre Schwester ihnen mitteilen wollte und gab den anderen dasselbe Zeichen. Schließlich standen alle und hielten den Atem an. Was war geschehen? Hatte Ava Feinde entdeckt? War es nun soweit? Wurden sie angegriffen? Doch es sah nicht so aus. Kida hatte ihre Sinne extrem angespannt und horchte in die tiefe Dunkelheit hinein - doch sie konnte immer noch nichts hören. Weder vor, noch hinter ihnen.
Die Wand hatte sich manifestiert und Ava lief langsam wieder los - sie musste eine Hand nach vorne strecken, um die neue Wand zu befühlen. Als sie vor ihr standen, bemerkten auch die anderen Mädchen ihre Anwesenheit. Deswegen hatten sie also angehalten. Alle dachten im Grunde dasselbe: Was wäre, wenn der Weg, den sie bereits eingeschlagen hatten, der richtige war, und sie zu Una geführt hätte? War vielleicht deswegen diese neue Wand aufgetaucht? Und wenn ja: Hatte der Dunkle Lord etwas damit zu tun? Oder, wie zumindest Faelia immer noch dachte, vielleicht sogar Ava?
Sie wussten es nicht, und so blieb ihnen nur erneut als einziges, auf Ava zu vertrauen, die sich für eine neue Richtung entscheiden musste.
Zuerst wusste diese es nicht. Sie spürte keine Schwingungen, die ihr sagten, wie sie zu gehen hatten. Im Grunde wusste sie ja, wo sich das Einhorn befand; sie hatte bereits Kontakt mit ihm gehabt. Aber der Weg war versperrt, und im Moment waren sie eher Meilen von Una entfernt, als das sie überhaupt etwas von ihr spüren konnte. Dennoch musste sie jetzt und hier eine Entscheidung treffen. Sie dachte nach: Welche Richtung wäre wahrscheinlicher? Wie könnten sie ihr näher kommen? Ava schloss, einer plötzlichen Eingebung folgend, die Augen. Jetzt war es für sie genauso dunkel, wie für die anderen auch, doch sie fühlte sich beileibe nicht so unwohl.
Doch so wohl wie früher fühlte sie sich auch nicht mehr... Wieder versuchte sie, ihre abschweifenden Gedanken in die richtigen Bahnen zu lenken - und konzentrierte sich noch stärker auf die Wand. Rechts oder links? Welche Richtung sollte es sein? Sie musste sich entscheiden! Jetzt!
Und dann spürte sie ein Ziehen in ihrer linken Hand, und ein wärmendes Gefühl. Es war Una, dessen war sie sich einhundertprozentig sicher! Sie nahm Angels Hand und drückte sie, als Zeichen, dass es erneut weiter ging - dann lief sie in die linke Richtung. Angel und die anderen folgten ihr.
Das Gefühl verschwand, genau so schnell, wie es gekommen war, dennoch war sich Ava sicher. Sie kamen ihr näher, nun musste nur noch eine Wand auftauchen, die sie erneut nach links führen würde - wenn es so war, wie Ava ahnte, dann liefen sie in einer Art Carre.. Immer wieder nach links - bis sie quasi auf der anderen Seite dort ankommen würden, wo sie vorher war - und eventuell dort auf Una treffen würden.
Bis jetzt war es ruhig um sie herum; und Ava fragte sich, ob es nicht ein wenig ZU ruhig war. Keiner kam um sie anzugreifen? Nicht, dass sie es unbedingt gewollt hätte, aber dennoch war ihr das ein wenig suspekt. Doch sie liefen weiter und Ava hielt natürlich den Weg vor sich im Auge. Noch hatte sich keine neue Wand aufgetan, die ihnen einen Weg nach links zur Verfügung gestellt hätte.
Irrte sie sich vielleicht doch? Dann schob sich schließlich doch eine Wand vor ihnen auf - doch sie eröffnete nur einen Weg in die rechte Richtung! 'Verdammt', dachte Ava. Entweder, sie hatte sich wirklich geirrt, oder dieses Labyrinth machte ihr einen Strich durch die Rechnung. 'Nicht mit mir!' knurrte sie in Gedanken - und sie liefen weiter. Es ging ja nur in die eine Richtung, obwohl Ava sich sicher war, dass sie die andere einschlagen mussten.
Ja, sie spürte instinktiv, dass sie sich wieder weiter von Una entfernte; dennoch hatte sie keine andere Wahl. Zurück konnten sie nicht mehr, außerdem wäre dieser Weg ja auch falsch gewesen. Und so liefen sie weiter; Ava mit der Hoffnung, wieder auf einen neuen Weg zu treffen, und die anderen mit ihren durchaus immer noch zwiespältigen Gefühlen Ava und der ganzen Mission gegenüber. Wohl fühlte sich verständlicherweise keiner von ihnen.
Ava wusste selbst nicht mehr, wie lange sie schon gelaufen waren und wie tief sie dieser neue - falsche - Weg geführt hatte, beziehungsweise noch führen sollte - als sich erneut ein weiterer Weg auftat. Dieses Mal führte er wieder in beide Richtungen und Ava wusste sofort, dass sie erneut nach links abbiegen mussten. Es war der richtige Weg, und er würde sie zu dem Einhorn führen, dass wusste sie einfach! Sie zog das Tempo an.
Die anderen spürten, dass sich etwas geändert hatte. Besonders Angels Herz begann, noch schneller zu schlagen. War es nun so weit? Auch sie wusste immer noch nicht, weshalb Ava nun schneller lief; aber sie konnte sich denken, dass sie entweder eine Spur zu Una gefunden hatte, oder sie nun bald tatsächlich angegriffen würden - oder beides...
Was auch immer geschehen würde, es würde bald passieren, und sie kamen der Entscheidung näher.
Dann war es soweit. Der Weg vor Ava änderte sich. Es war immer noch dunkel, doch Ava konnte weit vor sich etwas erkennen. Sie liefen auf einen Raum zu - und Ava sah Una.
Sie hatten es geschafft! Noch war es zu weit entfernt, dass die anderen es auch sehen konnten, dennoch wusste Ava, dass es bald auch für sie sichtbar sein würde. Der Raum war ebenfalls dunkel, doch er war heller als die Wege, in denen sie bis jetzt herum geirrt waren. Sie hielt die anderen erneut an und flüsterte, so leise sie konnte: "Wir sind bei ihr; die Zelle ist direkt vor uns! Wenn wir angegriffen werden, dann kann es nur jetzt und hier sein.. Macht euch auf einen Angriff gefasst! Und kommt jetzt!"
Angel hatte sich versteift und auch die anderen hielten den Atem an. Noch konnten sie nichts sehen, dennoch folgten sie Ava weiter. Doch das Bild änderte sich einige Minuten später.
Und dann konnnten sie es auch sehen. Ja, sie sahen die Zelle, die vor ihnen lag. Und sie sahen das Einhorn. Es war schwer verwundet. Faelia wollte schon vorstürzen, doch Ava stellte sich vor sie und schüttelte den Kopf. Die Augen der Fee blitzten auf, und Ava wusste, von wem die Hassgefühle kamen, die sie die ganze Zeit gespürt hatte. Bis jetzt waren sie zu unbestimmt gewesen, um wirklich auszumachen, von wem sie kamen. Es hätten auch Yuna oder Taliya sein können, obwohl sie diese eigentlich eher ausgeschlossen hatte. Doch nun war es eindeutig. Ava sagte nichts, sie blickte nur auf die Zelle und holte einen Schlüssel aus ihrer Tasche.
Die anderen hielten den Atem an: Jetzt war es soweit. Sie alle gingen auf die Tür zu. Ava wusste, bald war es auch für sie so weit. Sie musste sich ebenfalls entscheiden, wie sie weiter machen wollte. Dann hatte sie sich entschieden: Sie würde helfen, das Einhorn heraus zu holen, dann würde sie allen den Weg zurück zeigen - wobei sie hoffen musste, dass Una stark genug war, den Weg zu laufen - und dann würde sie zurück zum Dunklen gehen, und hoffen, dass er nichts davon mitbekommen hatte.
Und so gingen sie schließlich zur Tür. Ava schloss die Zelle auf - und Faelia stürzte zu Una. Sie sah, wie verletzt das Tier war, und dass es hier nicht geheilt werden konnte. Nur im Feenwald gab es Möglichkeiten, die Una von diesen furchtbaren Verletzungen und Zeichnungen befreien konnte.
Angel war ebenfalls geschockt, wie Una aussah. Den anderen erging es nicht besser, und es kamen auch wieder Missgefühle Ava gegenüber hoch, besonders bei Yuna; denn sie konnte sich denken, wer Una so zugerichtet hat.. Doch nun war keine Zeit mehr, darüber zu diskutieren, sie hatten Una befreit und Ava drängte sie, den Weg zurück zu laufen, sie wollte sie erneut führen - als es schließlich geschah:
Una konnte kaum stehen. Sie war schon zuvor auf dem Boden zusammen gesunken. Yuna fühlte ebenfalls, dass hier der falsche Ort war, um ihre Heilkünste auszuprobieren, und dass diese für Una eventuell auch nicht ausreichen würden. Doch auch sie machte sich Sorgen, ob Una in diesem Zustand überhaupt den ganzen Weg zurück würde laufen können? Und dann in diesem Labyrinth? Doch sie mussten es schaffen - und Ava hatte sie hierher geführt, also mussten sie hoffen, dass sie ihnen auch wieder den richtigen Weg zurück zeigen würde.
Doch die Gedanken waren müßig; kaum hatten sie das Einhorn befreit, hörten sie Geräusche, die eindeutig vorher nicht da gewesen waren. Sie kamen! Ava wusste es sofort, doch auch den anderen wurde es klar. Ihre "Glückssträhne", nicht erkannt zu werden, war vorbei. Ob auch der Dunkle sie erkannt hatte, wusste Ava nicht, doch darüber durfte sie sich jetzt erst einmal keine Gedanken machen, sie kannte die Biester, die auf sie zukamen. Der Weg, den sie vorab genommen hatten, war versperrt - von diesem kamen grauenhafte, riesige Mäuler auf sie zu. Selbst Ava konnte nicht mehr sehen als Mäuler, die auf- und zuklappten - mit rasiermesserscharfen Klingen, die als Zähne dienten, und sie zerfetzen würden, wenn sie ihnen zu nahe kamen. "LAUFT!" schrie Ava und stieß alle anderen von sich fort: "Rennt in den Tunnel hinter uns - immer weiter, macht schon!!"
Sie wusste zwar, dass die anderen nichts sehen konnten, da es dort wieder stockfinster war, dennoch war es ihre einzige Chance. Noch konnte Ava dort nichts sehen, die Gefahr kam nur von vorne. Ava zog ihr Wurfmesser und gleichzeitig den Dolch, den sie Moira entwendet hatte, bei ihrem letzten Kampf. Jetzt hatte sie beide Waffen, und diese benutzte sie gleichzeitig, um die Monster von ihnen fern zu halten, die mit Mördergeschwindigkeit auf sie zukamen. Mit dem Wurfmesser traf sie bereits einige in weiter Entfernung und es gelang ihr, sie zu zerstückeln - und diejenigen, die ihr gefährlich nahe kamen, zerhackte sie mit dem Dolch.
Ava schwitzte. Es war verdammte Arbeit, und sie musste sich immer wieder umschauen, um nach den anderen zu sehen, die vor ihr liefen. Dieses Mal war sie die Nachhut, denn die Biester verfolgten sie. Doch das konnte sich ändern, dass wusste Ava. Und sie wusste auch, dass die anderen nichts mehr sehen konnten. Deswegen schrie sie immer wieder: "Lauft weiter, immer geradeaus! Der Weg biegt nicht ab! Immer weiter geradeaus!" Dann bekam sie eine Art Eingebung: "Una, du weißt den Weg! Zeig es ihnen! Du musst es schaffen! Halte durch!"
Die anderen waren irritiert. Una sollte den Weg kennen? War das nun ein neuer Trick Avas? Doch Angel ahnte, nein sie wusste, dass ihre Schwester Recht hatte. Aus welchem Grund auch immer, Una kannte den Weg, und sie war für ihren derzeitigen Zustand, in dem sie sich befand, bemerkenswert stark. Nachdem sie aufgestanden, und in den ersten Minuten noch sehr schwach auf den Beinen gewesen war, lief sie nun ganz gut und übernahm sogar die Führung. Ihr - noch - weißes Fell war in der Dunkelheit gut zu erkennen, und so folgten ihr die Mädchen und Faelia, mit einem besseren Gefühl, als wenn sie Ava hätten folgen müssen.
Diese widerum hatte immer noch mit den Biestern zu kämpfen - und dann sah sie, dass neue dazu kamen. Riesenbären, die selbst sie noch nie gesehen hatte. Es schauderte sie. Auch diese versuchte sie, mit ihrem Wurfmesser und dem Dolche zu zerstören, doch das wollte nicht so klappen, wie sie es sich vorstellte. Und dann geschah es: Einer der "Bären" griff nach ihrem Messer - und zerriss das Band, mit dem Ava es durch die Luft wirbeln ließ und das an ihrem Arm festgebunden war. Sie schrie auf.
Angel hörte es und wollte zurück laufen. "Ava!" schrie sie und Ava sah sich gehetzt um, und zischte: "Lauf weiter! RENNT! Sie sind zu viele! Wir müssen es aus diesem Labyrinth heraus schaffen, dann sind wir sicher - los; raus hier!" Mehr sagte sie nicht, doch alle spürten, dass es ernst war. Selbst Ava konnte nichts mehr tun, das Wesen hatte ihre Waffe und es waren zu viele! Und mit dem Dolch konnte Ava die Bestien abwehren, die ihr zu nahe kamen, aber keine, die weiter entfernt auf sie zukamen.
Keiner von ihnen hatte eine Ahnung, wie weit der Ausgang noch entfernt war, und vor allem, wie lange Una noch aushalten würde. Doch sie alle wussten, dass sie es schaffen mussten! Es hatten sich einige neue Wege vor ihnen aufgetan, die dieses Mal - durch Unas helles Fell, trotz ihrer Verletzungen - für alle sichtbar waren. Immer noch dunkel und bedrohlich, aber sichtbar. Und Una ging zielsicher voraus, sie kannte den Weg.
Und schließlich sahen sie einen Ausgang vor sich. Sie nahmen noch einmal ihre letzte Willenskraft zusammen und rasten ihm entgegen. Natürlich war er verschlossen, der Felsbrocken hatte sich ja verschoben, als sie hinein gelangt waren.
Ava schob sich vor und murmelte die ersten Worte der Formel, die das Tor erneut öffnen sollte - als die Feinde kamen. Es war keine Zeit mehr! Sie nahm den Dolch und stürmte nach vorne, hinter sich hörte sie Angel schreien. Doch sie konnte keine Rücksicht nehmen - sie musste kämpfen! Mit einer Wahnsinnswut stach sie auf die Bestien ein, die gekommen waren, um sie zu töten, und sie hatte keine Ahnung, ob diese nun ihrem ehemaligen Herrscher etwas über sie "erzählt" hatten, oder er sie sogar geschickt hatte. Sie wusste es nicht, doch das war nun erst einmal unwichtig; sie hatte den Kampf zu gewinnen, sonst waren sie alle tot! Dann fiel ihr etwas ein: Vielleicht konnte sie nicht sich selbst retten, aber für die anderen war es noch nicht zu spät - und nun war es ohnehin egal. Also schrie sie, während sie wie wild um sich stach: "Taliya, nimm die anderen und Una, und teleportier sie zu der Lichtung! Jetzt ist es egal, wir sind ohnehin aufgefallen!!"
Taliya dachte tatsächlich kurz darüber nach, doch sie hörte sofort Angels: "NEIN! Keiner von uns geht ohne dich! Wir werden dir helfen, Ava!"
Um Ava herum schwirrten die Mäuler und schlugen die Tatzen der "Bären"bestien, die sie noch nicht erledigt hatte. Wie wollte Angel ihr helfen? Keiner der anderen hatte Waffen! Plötzlich hörte sie ein Knurren an ihrer Seite - und Kida hatte sich in ihre Gestalt als Löwin verwandelt. Daran hatte sie in der Hektik gar nicht mehr gedacht. Und bis jetzt war es zu dunkel dafür gewesen.. Obwohl, eigentlich konnten Katzen doch ganz gut im Dunkeln sehen, oder? Aber vielleicht war es bis jetzt in den Gängen tatsächlich ZU dunkel dafür gewesen... Wie auch immer, jetzt konnte Kida es anscheinend, und sie kämpfte in der Tat wie eine Löwin an Avas Seite, als sie sich ebenfalls auf die Biester stürzte.
Es dauerte einige Minuten, dann waren sie erledigt. Zumindest die, die hier bei ihnen waren; Ava fühlte, bevor sie sie sah, dass noch mehr kommen würden. "Beeilt euch, es verfolgen uns noch mehr!" sagte sie, und dann stürzte sie zum versperrten Ausgang. Sie presste die Hände davor, Kida hatte sich wieder zurück verwandelt und hatte sich ans Ende gestellt, und murmelte den Zauberspruch. Dann sah Kida sie. Sie hatte sich tatsächlich an die Dunkelheit gewöhnt, hier war es auch nicht mehr ganz so dunkel wie in den Wegen, und nun bemerkte sie die Bestien, die nun kamen, als erstes: "Ava, sie kommen!" "Ja, ich weiß!!" knurrte diese. Auch, wenn sie die Biester noch nicht sah, sie spürte sie. Doch sie musste sich auf den Ausgang konzentrieren. Jetzt oder nie. Dann ging die Tür auf. Doch sehr, sehr langsam....
Taliya war drauf und dran, zu fragen, warum sie nicht alle jetzt von ihr auf die Lichtung teleportiert werden sollten, doch dann hatte sich das Tor vor ihr endlich geöffnet - und sie stürzten heraus. Gerade noch rechtzeitig, denn die Biester waren beinahe bei ihnen. Ava hielt das Tor gerade so weit auf, dass alle - einschließlich Una - heraus kommen konnten, dann schlüpfte sie als letzte hinaus - und das Tor schloss sich wieder. Sie waren draußen - und von innen konnten man die Bestien brüllen hören, als sie von innen gegen das Tor hämmerten...
Dann wandte sich Ava an die anderen: "Es ist noch nicht vorbei! Auch hier draußen könnten seine Schergen auftauchen, jetzt wo Una befreit ist.. Los, Taliya - jetzt kannst du uns in Sicherheit bringen! Mach schon!" Da war er wieder, dieser leichte Unterton, den keiner wirklich leiden konnte, aber niemand sagte etwas. Taliya kam der Aufforderung nach und sie alle umfassten Una, die in ihrer Mitte lag. Sie war draußen vor dem Tor zusammen gebrochen und man konnte sehen, dass die Wunden noch schlimmer waren als zuvor. Nun waren sie richtig aufgeplatzt und das Fell war rot von ihrem Blut. Es war klar, dass sie keinen Schritt mehr würde laufen können, doch sie mussten aus der Gefahrenzone heraus, bevor sie sich um sie kümmern konnten. "Auf zur Lichtung!" sagte Taliya - und das war genau im richtigen Augenblick, denn Ava spürte - und sah aus den Augenwinkeln - weitere Diener Raouls auf sie zustürzen. Es war wirklich im sprichwörtlich letzten Augenblick, als sie verschwanden - und die Bestien blieben verwirrt stehen, und sahen sich an der Stelle um, wo sie wenige Sekunden zuvor noch gewesen waren...

