39. Besprechungen

Dann war die Fee verschwunden und es schien beinahe, als ob die Mädchen aus einer Art "Bann" auftauchen würden. Alle fühlten sich irgendwie schal, besonders Angel hatte Schuldgefühle, obwohl sie ebenfalls wusste, dass sie gar nichts dafür konnte. Dennoch konnte sie sich des Gefühls nicht erwehren. Ava versuchte - mal wieder - sich ihre Gefühle nicht anmerken zu lassen, aber zumindest Angel konnte spüren, dass es ihr ebenfalls nicht gut ging. Doch niemand von ihnen konnte jetzt noch etwas daran ändern, was geschehen war. Sie sahen noch einmal zu dem Einhorn herüber, das bis jetzt dort gestanden hatte, und sich nun langsam in Bewegung setzte. Es ging zurück in den Wald. Bevor es verschwunden war, nickte es noch einmal zu ihnen allen herüber. Und besonders Ava kam es vor, als würde es ihr besonders lange in die Augen blicken... Ihr wurde schon ein wenig anders. Was hatte der Blick zu bedeuten? Doch dann war der Moment vorbei und Una drehte sich endgültig um, und verschwand in der Weite des Waldes. Niemand wusste, ob und wann es wieder zurück kommen würde.

Die Mädchen sahen sich an. Sie wussten nicht, was sie nun tun sollten. Hatten sie überhaupt einen Plan, wie sie weiter vorgehen wollten? Zumindest hatten sie noch nicht darüber gesprochen. Alles, was Ava sich zuvor überlegt hatte, was sie tun wollte, hatte sich, mit der Befreiung des Einhorns, in Luft aufgelöst. Oder doch nicht? Ganz tief in sich drin spürte sie immer noch den Drang, ihren ursprünglichen Plan in die Tat umzusetzen. Allerdings hatte sie keine Ahnung, was die anderen, insbesondere ihre Schwester, davon halten würden. Doch, im Grunde wusste sie es; vermutlich gar nichts... Dennoch war es irgendwie das einzige, was ihr schlüssig vorkam; sie musste es nur richtig anstellen. ER durfte ihr auf keinen Fall auf die Schliche kommen.
Dann fiel ihr Blick Unas Blick wieder ein. Wusste das Tier eventuell was sie plante? Und wenn ja, was hielt es davon? Es hatte jetzt auch nicht unbedingt den Eindruck auf sie gemacht, dass es sie davon abhalten wollte...

Bevor sie noch weiter darüber nachdenken konnte, hörte sie schließlich Angel das gleiche fragen, was ihr bereits die ganze Zeit durch den Kopf ging: "Was sollen wir jetzt tun?" Die anderen Mädchen schwiegen zuerst. Dann antwortete Kida: "Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht... Aber etwas müssen wir tun, und da wir vermutlich alle keine Ahnung haben, was zu tun ist, schlage ich vor, dass wir erneut zur "Quelle der Weisheit" gehen, beziehungsweise Taliya uns dorthin bringt, und wir dort erfragen, was uns diese rät. Was haltet ihr davon?" Die anderen blickten Kida an und Taliya antwortete: "Das klingt gut. Vor allem ist es das einzige, was schlüssig klingt. Also, von mir aus können wir los legen! Die Quelle wird uns bestimmt weiter helfen..."

Bevor sie weiter sprechen konnte, fiel ihr Ava ins Wort. Sie hatte lange mit sich gerungen, ob sie das, was ihr im Kopf herum "spukte", auch den anderen mitteilen sollte - früher hätte sie dies garantiert nicht getan - aber nun wusste sie, dass dies unabdingbar war. Sie waren eine Gemeinschaft. Also mussten die anderen es zumindest erfahren. Auch, wenn vermutlich keine von ihnen wirklich begeistert sein würde...
"Hört mal, ich habe eine andere Idee. Ich habe bereits vorab Pläne gehabt, wie ich weiter machen wollte; es ist anders gekommen, als ich es gewollt habe, aber der Grundplan steht immer noch. Noch habe ich eine Chance beim Dunklen Lord. Er vertraut mir. Noch! Also würde ich vorschlagen, dass ich zu ihm zurück kehre und weiterhin die treue Untergebene spiele. Ich kann mehr gegen ihn unternehmen, wenn ich an seiner Seite bin. Zudem hat er noch die Bücher, Angel! Das ist eine große Gefahr für uns alle! Ich werde versuchen, sie ihm abzunehmen, und sobald es eine gute Gelegenheit dazu gibt, zu euch zurück zu bringen. Dann könnt ihr durch die Bücher "sehen", was als nächstes geschehen soll. Das ist sicherer, als zurück zu der Quelle zu gehen; auch, wenn bis jetzt niemand von Raouls Wesen und Helfern, diese entdeckt hat, so muss das ja nicht so bleiben. Wenn sie entdeckt werden, seid ihr alle in Gefahr. Hier seid ihr sicher. Una ist zwar wieder im Wald verschwunden, sie wird euch schon warnen, wenn jemand, oder etwas, hier auftaucht, was hier nicht hingehört. Davon bin ich überzeugt". Ob sie wirklich so davon überzeugt war, dass Una ihren Plan guthieß, wusste Ava nicht mal wirklich, aber das behielt sie für sich. Jetzt wartete sie erst einmal auf die Reaktionen der anderen.

Diese ließ ein wenig auf sich warten. Zuerst starrten sie die anderen Mädchen, einschließlich Angel, einfach nur an. Dann antwortete Yuna als erste: "Das ist nicht wirklich ernst gemeint, Ava, oder? Du willst nicht wirklich ALLEINE zu IHM zurück gehen? Nachdem du uns geholfen hast, zu fliehen? Meinst du nicht, dass er mittlerweile gemerkt haben könnte, dass wir fort sind? Woher weißt du, dass er nicht weiß, oder zumindest ahnt, dass du etwas mit unserer Flucht zu tun haben könntest? Es wäre viel zu gefährlich, wenn du zu ihm zurück gehst und dann eventuell in seine Fänge läufst!" Dass sie auch daran dachte, dass er sie vielleicht doch wieder für sich beeinflussen könnte, behielt sie - noch - für sich.
Auch Kida blickte Ava leicht besorgt an: "Ich muss Yuna Recht geben, Ava. Das ist zu gefährlich! Für uns alle! Ich weiß nicht, ob du den Dunklen richtig einschätzen kannst, immerhin warst du lange genug seine Sklavin!" Als sie sah, dass Ava die Augen zusammen kniff, beeilte sie sich hinzuzufügen: "Ich meine es nicht böse, Ava! Wirklich nicht! Aber es war nun mal Fakt, dass er dich in seiner Gewalt hatte. Und es ist nicht ausgeschlossen, dass dies wieder geschehen könnte. Wir müssen alles daran setzen, das zu verhindern! Und für mich kommt es eher in Betracht, jetzt erst einmal zu der Quelle zurück zu kehren, um dort nach einem wirklich vernünftigen Rat zu fragen. Und das wird es sein, was wir tun werden!" Ihre Stimme klang bestimmt.

Angel hatte bis jetzt noch gar nichts gesagt, doch sie blickte ihre Schwester extrem besorgt an. Ava blickte zurück: "Verstehst du mich wenistens, Schwester?" Dann sah sie auch die anderen an und fuhr etwas lauter fort: "Wir haben keine Zeit für solche "Spielchen". Selbst wenn Taliya uns dorthin bringt dauert es, bis wir bei der Quelle sind! Und wer weiß, was die uns dort zeigen wird? Noch einmal: Wir brauchen die Bücher! Das weißt du auch, Angel! Nur die können uns wirklich weiter helfen - DIR vor allem! Zudem sie eine ernorme Gefahr in den Händen des Dunklen sind! Sie dürfen keine Sekunde zu lange dort sein! Also muss jemand von uns zurück und ihm diese abnehmen. Und das kann nur ich sein! Glaubt es mir oder nicht, aber ich habe eine Chance, dass er mir immer noch vertraut. Aber je länger ich fort bin, desto kleiner wird diese. Ich werde euch nicht darum bitten! Auch, wenn ich jetzt auf eurer Seite stehe, dennoch habe ich meinen Stolz nicht verloren..." Taliya fiel ihr ins Wort: "Das heißt also, du stellst uns vor vollendete Tatsachen? Was hat sich denn dann bitte geändert? Ich dachte, wir sind eine Gemeinschaft!?! Und als solche sollten wir auch ZUSAMMEN entscheiden, was das beste ist, und was wir als nächstes tun sollten. Ich jedenfalls bin für Kidas Vorschlag. Wir sollten zu der Quelle!" Yuna nickte ebenfalls. Sie alle blickten Ava an, und die einzige, die sich immer noch nicht geäußert hatte, war Angel...

Diese wusste auch gar nicht, was sie denken, geschweige denn, sagen sollte. Ihr dröhnte der Kopf. Einerseits war auch sie mit dem Vorschlag ihrer Freundin einverstanden. Ja, die Quelle war eine gute Idee, und sie war geneigt, dieser Recht zu geben, zumal ja auch alle anderen auf ihrer Seite standen.
Dann dachte sie über den Vorschlag ihrer Schwester nach, und es fröstelte sie alleine bei dem Gedanken daran, dass diese ALLEINE zurück gehen wollte, um sich dem Dunklen erneut zu unterwerfen. Oder zumindest so zu tun, als ob. Denn sie sagte ja, dass es nur ein Trick sein würde. Aber wäre es das wirklich? Würde er sich wirklich betrügen lassen? Und was wäre, wenn Yuna Recht hatte, und er längst wüsste, dass Ava jetzt auf ihrer Seite stand? Dann würde er sie eventuell direkt töten oder noch schlimmeres mit ihr anstellen?! Nein, das durfte nicht geschehen! Aber auf der anderen Seite hatte Ava auch nicht ganz unrecht. Angel bekam schon wieder Gänsehaut, bei dem Gedanken, dass ER ihre Bücher hatte. Das "Tagebuch", das ihr von ihren Zieheltern geschenkt worden war - Angel musste sich zusammen reißen, als sie an diese dachte, und mal wieder daran, wie sie die Menschenwelt verlassen hatte. Würde sie ihre Eltern jemals wieder sehen? Doch das war jetzt nicht wichtig. Noch nicht.
Das andere Buch war mindestens genauso wichtig. Das, was sie aus der Bücherei gestohlen hatte. Beide hatten ihr sowohl die Vergangenheit, als auch die Zukunft gezeigt. Und beides war extrem wichtig gewesen. Ava hatte schon Recht: Jetzt, wo Raoul anscheinend ebenfalls in ihnen lesen konnte,  er hatte ihre Kräfte aufgesaugt, würde ihm alles das offenbart, was es sonst eventuell ihnen gezeigt hätte. Wer weiß, wie gefährlich dies noch werden könnte? Aber trotzdem, sie hatte ebenfalls Angst. Doch weniger davor, dass Ava wieder rückfällig werden könnte - sie ahnte durchaus, was die anderen dachten, beziehungsweise hatte verstanden, was Kida merklich unverblümt ausgesprochen hatte - als davor, dass Ava etwas zustoßen konnte. ER könnte tatsächlich wissen, oder zumindest ahnen, dass sie jetzt auf ihrer Seite war. Und dann könnte er sie töten. Alleine der Gedanke ließ sie frösteln.
Ava spürte es: "Ist alles in Ordnung, Angel? Sag mir, was du denkst. Die anderen haben es doch auch getan - denkst du wie sie? Meinst du auch, dass ich wieder "rückfällig" werden könnte? Dass ich euch verrate, sobald ich wieder bei ihm bin?" Die anderen sahen sie an und Kida sagte: "So hat das keiner von uns gesagt, Ava. Nicht, dass du es willst, aber du musst zugeben, dass die Gefahr durchaus besteht, wenn er dich wieder unter seine Kontrolle bekommt!" Ava blickte sie nur an und antwortete: "Ich habe gehört, was ihr gesagt habt... Aber ich möchte Angels Gedanken dazu hören! Sie hat bis jetzt noch gar nichts gesagt. Also, was denkst du, Schwester?"

Angel schluckte, dann blickte sie Ava in die Augen. "Ich, ich weiß es nicht... Einerseits denke ich wie Kida und die anderen. Ich denke auch, dass es am besten wäre, wenn wir uns den Rat bei der Quelle holen!" Sie hörte ein zufriedenes Schnalzen, und Yuna setzte an zu sagen: "Na, da hätten wir doch die Entscheidung getroffen..." Weiter kam sie nicht, denn Taliya unterbrach sie: "Ich habe das Gefühl, Angel war noch nicht ganz fertig, oder?" Sie kannte ihre beste Freundin. Diese nickte ihr dankbar zu und fuhr fort, denn sie hatte den enttäuschten Gesichtsausdruck ihrer Schwester bemerkt. "Ava, ich, ich will dir nichts böses. Du weißt das! Ich liebe dich. Und ich spüre, dass auch du irgendwie Recht hast. Wir brauchen die Bücher! In den Fängen des Dunklen Lords sind sie wirklich eine große Gefahr. Und wer weiß, was er alles mit ihnen anstellen kann..." Sie zitterte nun tatsächlich, alleine bei der Vorstellung. Dann riss sie sich zusammen und fuhr fort. Dabei blickte sie ihr immer noch mitten in die Augen: "Aber, die Wahrheit ist, ich vertraue dir, das weißt du! Ich liebe dich, wie ich zuvor noch niemanden geliebt habe. Du bist meine Schwester! Und ich weiß, dass du uns niemals wieder verraten wirst! Ganz egal, was geschieht. Aber gerade weil ich dich so liebe, habe ich Angst um dich. Yuna hat Recht. Vielleicht weiß der Dunkle die Wahrheit über dich! Dann läufst du ihm mitten in die Falle! Das darf ich nicht zulassen! Wir gehören zusammen! Keiner von uns darf zulassen, dass dem anderen etwas geschieht. Ach, ich weiß es doch auch nicht..." Und sie begann zu weinen.

Ava hatte beinahe geschockt zugehört, doch dann riss sie sich zusammen und ging auf Angel zu. Sie nahm sie in die Arme und drückte sie an sich. Die anderen sahen beinahe schon etwas irritiert zu. So kannten sie Ava wirklich nicht. Die Ava von früher hätte sich eher von der weinenden, in ihren Augen "schwachen", Angel fort gedreht. Es war eindeutig etwas anders an ihr. Aber reichte es, um ihr diese - mehr als verantwortungsvolle - Aufgabe zu übertragen? Ihr aller Leben hing davon ab...
Schließlich hatte sich Angel wieder etwas beruhigt und zog sich selbst von Ava fort. "Entschuldige..." sagte sie, beinahe etwas beschämt. Ava lächelte: "Schon gut.. Ich danke dir, dafür dass du immer wieder betonst, dass du mir vertraust. Und dass du mich liebst.. Das hat zuvor noch niemand zu mir gesagt..." Auch aus ihrer Stimme klang Traurigkeit. Dann riss sie sich zusammen. Etwas Stolz wollte sie sich hier doch wohl noch erhalten, verdammt noch mal! Sie räusperte sich, dann sagte sie: "Also zuerst einmal: ich weiß, unser Start war furchtbar. Zumindest was meinen Part angeht... Ich habe mich nicht gerade von meiner besten Seite gezeigt, das weiß ich jetzt. Doch dank dir weiß ich jetzt auch, was Liebe ist. Dank dir, und Una! Sie hat es mir gezeigt, und glaubt mir, es hat verdammt weh getan..." Sie schluckte kurz, dann riss sie sich wieder zusammen. Sie durfte sich jetzt nicht in Erinnerungen verlieren! "Ich verspreche euch allen, dass ich mich nicht wieder verlieren werde! Er bekommt mich nicht wieder in seine Gewalt! Dafür sorge ich!" Dann blickte sie Angel an und fragte, scheinbar aus dem Zusammenhang gerissen: "Angel, sag mir und den anderen: Was für eine Aura habe ich? Ist sie noch so hell wie sie war, als du mich das letzte Mal gesehen hast?" Es interessierte sie tatsächlich.
Angel blickte sie an. Weshalb wollte sie das jetzt wissen? Doch dann besah sie sich die Aura dennoch genauer Sie immer noch ins Grau-Weiße, doch irgendwie hatte sie das Gefühl, dass sie soger noch etwas heller geworden war. Oder bildete sie sich das vielleicht nur ein? Sie wusste es nicht, dennoch nickte sie und antwortete: "Sie sieht noch so aus wie zuvor. Hell grau bis weiß! Es hat sich nichts geändert. Bei keinem von euch", fügte sie noch hinzu.

Die anderen sahen zumindest erleichtert zu ihnen herüber. Dann herrschte kurze Zeit Schweigen zwischen ihnen. Alle wussten schon, dass jetzt und hier eine Entscheidung getroffen werden musste, doch keiner war sich sicher, was dies nun für eine sein sollte. Was sollten sie nun tun?
Schließlich war Ava diejenige, die erneut das Wort ergriff: "Ich ahne, was ihr denkt, beziehungsweise ihr habt es ja bereits gesagt... Also wenn ihr unbedingt erneut zu der Quelle wollt, was ich immer noch für Zeitverschwendung halte, dann könnt ihr das tun. Geht zu ihr und befragt sie, vielleicht hat sie Ideen, die wir bis jetzt noch nicht nachvollziehen können. Ich werde meinen Plan in die Tat umsetzen. Verseht mich bitte! Ich MUSS zurück! Und das in einer Zeitspanne, in der es noch eine Chance gibt, dass ER mich noch nicht enttarnt hat. Je länger es dauert, desto schlechter wird es, da habt ihr sogar Recht! Ich muss JETZT zurück! Und ich verspreche euch, dass wir in Kontakt bleiben. Ich werde euch, sobald ich es kann, berichten, denn mittlerweile haben Angel und ich telepathischen Kontakt zueinander, wie ihr ja wisst. Also, sobald es mir möglich ist, berichte ich euch. Und wenn es geht, gebe ich euch die Bücher wieder. Ich werde den Herrscher von innen schwächen, nur so ist es möglich, ihn zu stürzen! Aber wenn ihr durch die Quelle eine andere Idee bekommt, dann ist das auch gut. Dann geht dieser nach, und berichtet mir davon. Glaubt mir, bitte! Es ist unsere einzige Chance!"

Die anderen blickten immer noch extrem skeptisch. Allen gefiel Avas Vorschlag definitiv nicht, das konnte diese erkennen. Und sie ahnte, dass zumindest bei Yuna und Kida auch noch ein gewisses Misstrauen wieder entflammt war. Bei Angel war es einfach nur Angst. Diese versuchte auch noch einmal etwas anderes: "Was ist, wenn wir alle zurück gehen? Wir könnten zusammen die Bücher holen gehen, und dann hierher zurück! Vielleicht geben uns dann die Bücher ja hier die Informationen und wir brauchen nicht zur Quelle?" Ein gewisses Maß an Hoffnung sprach aus ihr heraus.
Ava blickte sie an, als hätte sie nun den Verstand verloren. "Angel, meinst du jetzt nicht wirklich ernst, oder? Ihr seid dort nicht gerade erst entflohen, nachdem euch unsagbares Leid widerfahren ist", sie schluckte, denn sie wusste natürlich noch, dass sie daran nicht unbeteiligt gewesen war, und sie spürte die Gefühle, die ihr das Einhorn gegeben hatte, dann fuhr sie fort "und seid hierher gelangt, an einen, zumindest bis vor kurzem, und jetzt sicherlich wieder, sicheren Ort, um dann FREIWILLIG wieder dorthin zurück kehren zu wollen? ER spürt euch sofort! Dann gibt es tatsächlich für euch kein zurück mehr. Das kommt überhaupt nicht in Frage!" Ihre Stimme war laut geworden.

Taliya hatte bei ihren Worten aufgehorcht und sagte: "Aber du sagtest gerade, er weiß, wo dieser Ort hier ist! Als wir das erste Mal bei der Quelle waren, seid ihr hier eingefallen und habt alles zerstört! Was ist, wenn er wieder kommt? Dann hätten wir auch keine Chance, schon gar nicht ohne dich!"
Die anderen blickten sie an, daran hatte bis jetzt noch gar keiner gedacht. Der Dunkle kannte diesen Ort hier ja... Wieso war er eigentlich noch nicht hier? Oder kam er jeden Augenblick zurück? Konnte das sein? Ava blickte sie an, dann antwortete sie: "Ich weiß nicht... Ja, er kennt diesen Ort, er hat ihn aus den Büchern. Aber irgend etwas sagt mir, dass er hierher - zumindest vorerst  - nicht mehr zurück kehrt. Ich weiß nicht weshalb, vielleicht spüre ich es? Keine Ahnung. Außerdem glaube ich, dass Una euch warnen würde, sie spürt es, wenn er oder seine Schergen kommen..." Sie wurde von Yuna unterbrochen: "Das hat sie wohl, als ihr gekommen seid, auch nicht gespürt", da war er wieder, dieser etwas gereizte, und leicht aggressive Unterton in ihrer Stimme.

Ava blickte kurz zu ihr herunter: "Ich weiß nicht, ob sie es tatsächlich nicht gespürt hat... Damals habe ich es nicht begriffen. Aber ich glaube, sie hat da schon ein Band mit mir geknüpft, deswegen hat sie sich mitnehmen lassen..." Sie ging nicht weiter auf ihre Gedanken ein. "Fakt ist, dass ich denke, dass sie euch nun warnen würde, und das bestimmt früh genug, wenn jemand kommt, der euch schaden wollte. Glaubt es mir nun oder eben nicht. Aber wir müssen uns nun entscheiden! Ich fühle, dass nicht mehr viel Zeit ist - und ich würde meinen Plan lieber mit eurer Zustimmung in die Tat umsetzen!" Sie blickte die anderen an.
Diese schauten zu ihr zurück und schließlich seufzte Kida: "Also gut. Da ich weiß, dass du einen starken Willen hast, und da du gerade bestätigt hast, dass du diesen auch durchsetzen wirst, egal ob wir deinen Plan befürworten oder nicht, denke ich, dass wir dich gehen lassen sollten". Sie hörte, wie Yuna zum Protest ansetzen wollte und hob die Hand: "Ich weiß, ich habe zuvor auch anders gedacht, aber jetzt bin ich mir ehrlich gesagt nicht mehr sicher." Sie sah Angel an: "Zurück wird keiner von uns gehen, Angel - abgesehen von Ava, da sie es selbst will. Aber von uns NIEMAND!" Sie sah Angel in die Augen, und diese senkte den Blick. Waren ihre Gedanken so leicht zu durchschauen? Auch Ava blickte ihre Schwester an: "Du wirst keine Dummheiten machen, Angel, versprich mir das!" Auch sie ahnte etwas von Angels Gedanken, obwohl sie diese nicht gelesen hatte. Diese blickte sie an und nickte schließlich. Sie versuchte, ihre wahren Gefühle und Gedanken zu ordnen, denn sie wusste nicht, was sie tun sollte. "Ich habe Angst um dich..." wiederholte sie leise, und Ava trat erneut auf sie zu und umarmte sie: "Ich weiß! Aber mach dir keine Sorgen. Mir wird nichts geschehen! Und wir bleiben in Kontakt! Ich werde mich bei der melden, sobald ich es kann. Und nun muss ich gehen. Denkt daran, was für euch das beste ist. Wenn ihr zu der Quelle wollt, dann tut es, aber seid ebenfalls vorsichtig. Der Feind steht nicht still. Vielleicht ist die Gegend nicht mehr unbewacht? Ansonsten wartet hier auf mich. Vielleicht dauert es nicht lange, bis ich hierher zurück kommen kann,  um euch die Bücher zu bringen. Aber wie das geschieht weiß ich noch nicht. Ich darf nicht auffallen und ich muss auch danach wieder zu ihm zurück. Vielleicht werden wir uns auch eine längere Zeit nicht wieder sehen..." Sie wurde kurz still, dann atmete sie einmal tief durch: "Ich hoffe, ihr vertraut mir jetzt! Ich verspreche euch, dass ich alles daran setzen werde, den Herrscher zu stürzen. Wir arbeiten zusammen: Ihr von außen, ich von innen! Das ist unsere einzige Chance! Und ich bin davon überzeugt, dass die Quelle das auch so sehen wird!" Damit drehte sie sich um und lief davon, sie drehte sich nicht noch einmal um, und gab niemanden von den anderen noch eine Chance, etwas zu erwidern. Nicht einmal Angel, die ihr noch ein "Lebewohl" zuflüsterte, das im Winde verstrich. Würde wirklich alles so funktionieren wie Ava es sich vorstellte? War das wirklich ihre einzige Chance? Doch sie alle wussten, dass keine von ihnen Ava von ihren Plänen abhalten konnte. Etwas von der alten Ava war noch in ihr, und jede von ihnen hatte ihre eigenen Gedanken, was sie davon halten sollte.

Irgendwann war Ava aus ihren Blicken verschwunden und nun beratschlagten sie noch einmal, ob sie ihren ursprunglichen Plan in die Tat umsetzen sollten, jetzt zur Quelle zu gehen. Was würde diese ihnen mitteilen? Oder sollten sie hier auf Avas erste Mitteilung warten? Doch wie lange würde dies dauern?
Dann beschlossen sie, zu gehen. Sie hatten keine andere Wahl, denn es konnte Ewigkeiten dauern, bis Ava sich melden würde. Wenn überhaupt...
Sie hatten ihre Entscheidung getroffen und alle umarmten Taliya, die sie zum Eingang der Quelle bringen sollte. Leider sollte Ava Recht behalten. Es stand ihnen eine böse Überraschung bevor...

About Me

Christal, 31
Traumland