37. In letzter Sekunde

Wenige Sekunden später tauchten Ava und Taliya wieder vor den anderen auf, die sich immer noch um Angel kümmerten. Sie alle blickten zu ihnen und Kida fragte: "Habt ihr den Stein?" Taliya nickte. Sie lief zu Angel herüber, in der Absicht, ihn ihr umzulegen. Doch zuerst blieb sie entgeistert stehen. Ihre Freundin sah furchtbar aus. Ihr Gesicht war eingefallen, und es machte den Eindruck, als wenn sie unter furchtbaren Schmerzen litt. Auch, wenn Taliya es sich kaum erklären konnte, Angel war doch nicht bei Bewusstsein... Aber es wirkte tatsächlich so, als ob sie Qualen litt. Und dann sah sie, wie ihr Gesicht begann, schwarz zu werden.
Yuna keuchte auf. "Es beginnt!" rief sie, und dann wandte sie sich ebenfalls an Taliya: "Nun leg ihr schon den Stein um! Sie stirbt!" Taliya reagierte und kniete sich zu ihr. Dann nahm sie den Stein, der immer noch nicht mehr war als ein "normaler", wunderschöner, Rosenquarz und legte ihn ihr auf den Bauch. Sie wusste nicht, was sie erwartete, vielleicht ein Wunder, immerhin hatte Arlea ihnen gesagt, dass er Angel retten würde - doch es geschah gar nichts.

Alle standen und knieten um Angel herum und starrten sowohl auf sie als auch auf den Stein. Angels Zustand verbesserte sich nicht. Im Gegenteil: Ihr Gesicht verfärbte sich weiterhin; es wurde immer dunkler, zuerst sah man einen schwarzen Streifen, der langsam die Wange herunter lief.
Dann begann Angels Körper zu zucken - und der weiße Schaum trat erneut aus ihrem Mund. Die Mädchen hörten Una wiehern. Alle drehten sich geschockt um, denn Una war kurze Zeit zuvor in den Wald gelaufen. Nun war sie wieder zurück gekommen, und Taliya erwartete beinahe, dass sie ein weiteres Mal zu Angel kommen würde, um ihrer Freundin zu helfen, doch das tat sie nicht. Sie alle sahen, dass das Einhorn in einigem Abstand blieb - und sich hin kniete. Ein eindeutiges Zeichen.

Alle blickten entgeistert zu Arlea, Angels und Avas Mutter; die Geistergestalt, die immer noch bei ihnen stand und ihrer Tochter die Treue hielt: Hatte diese sie angelogen? "Du hast gesagt, der Stein würde sie retten!" rief Yuna schließlich aus, was wohl alle dachten. "Wieso passiert nichts? Es wird immer schlimmer!" Und sie hatte Recht. Angel begann, zu keuchen. Grauenhafte Laute kamen aus ihr heraus - zusammen mit weißem Schaum, der langsam die Farbe wechselte. Er wurde dunkel. Und dann war er schwarz.

Die Mädchen schauten völlig entgeistert auf ihre Freundin - als Angel plötzlich auch noch begann, zu schreien. Es war ein grauenhaftes Kreischen - und Ava bäumte sich gleichzeitig auf und brüllte ebenfalls vor Schmerzen. Sie hatte dies zu Beginn schon einmal gefühlt, doch dann war es ihr gelungen, sich zusammen zu reißen. Zudem hatte sie sich geschworen, es nicht noch einmal soweit kommen zu lassen; schon alleine weil sie nicht wollte, dass die anderen sie für schwach hielten - doch diese Qualen waren um ein tausendfaches schlimmer als die, die sie zuvor verspürt hatte. Sie konnte es selbst nicht mehr ertragen - und sie wusste, dass Angel dies in diesem Augenblick spürte. Auch ihr traten Tränen in den Augen, auch sie begann zu keuchen. Sie bekam nicht mit, wie Kida zu ihr kam und sie ebenfalls auf den Boden legte. Sie hörte die verzweifelten Stimmen von Taliya und selbst von Yuna nicht mehr, die ihren Namen riefen. Ja, selbst Yuna hatte Angst um sie.

Arlea hatte bis dahin neben Angel gestanden, und ihr Gesichtsausdruck war unergründlich gewesen. Trauer war darin zu lesen - und Angst. Yuna blickte sie an: "Du hast gesagt, der Stein würde Angel retten - jetzt stirbt auch noch Ava? Was zum Teufel geht hier vor? Wer bist du? Bist du wirklich ihre Mutter?"
Arlea blickte Yuna an, sagte aber nichts. Sie ging zu Ava herüber und strich ihr ebenfalls über das Gesicht; wie sie es bis dahin bei Angel getan hatte: "Das ist das Werk des Dunklen... Das Schattenkraut hat sie nun beide in seiner Hand... Noch ist der Stein nicht kräftig genug, um Angel zu retten. Nur mit unserer gemeinsamen Liebe, kann sie gerettet werden - und dazu gehört auch - oder besonders - Ava! Sie muss wieder zu sich kommen! Nur mit ihr kann es gelingen, Angel zu retten. Komm mein Kind, befeie dich aus Seiner Hölle! Du bist stark genug dafür! Bitte, Ava! Lass nicht zu, dass Er dich wieder in seine Gewalt bekommt. Ich liebe dich, Ava... Bitte komm zu dir, Angel braucht dich!"

Die Mädchen starrten Arlea an. Was sagte sie da? Der dunkle Herrscher hatte eventuell etwas mit Avas kuriosem Zustand zu tun? Bisher dachten sie nur, es wäre die empathische Verbindung zwischen den Schwestern. Aber wenn das stimmen sollte, wusste Er dann, wo sie waren?
Aber vielleicht war alleine die Tatsache, dass sie diese empathische Verbindung hatten, und diese momentan so einen schrecklichen Einfluss auf Ava hatte, ja vom Dunklen beeinflusst? Wie auch immer sie das zu verstehen hatten, sie mussten Ava aus diesem Zustand heraus holen. Einmal, weil sie verhindern wollten, dass ER sie eventuell doch auf diese Weise finden würde, und zweitens weil sie, wenn sie Arlea richtig verstanden hatten, nur mit Avas Hilfe Angel retten konnten. Ansonsten würden in der Tat beide Mädchen sterben. Und beide hatten nicht mehr viel Zeit.

Doch momentan waren sowohl Angel als auch Ava in der gleichen Hölle gefangen. Und obwohl Ava niemals mit Schattenkraut in Berührung gekommen war, begann plötzlich auch ihre Haut schwarz zu werden. "Oh mein Gott.." keuchte Taliya, die es zuerst bemerkte. "Das kann doch nicht wahr sein! Ava - bitte! Du musst dich gegen Ihn wehren! Wo auch immer ihr gerade seid; Wehr dich dagegen, bitte!"
Arlea blickte Taliya an und sagte, mit gepresster Stimme: "Leg Ava den Stein um!" Alle schauten Arlea an. "Warum? Das ist doch der Stein von Angels Eltern - ich meine, ihren Zieheltern.. Ich dachte, der wirkt nur bei Angel.." "Taliya, bitte! Wir haben keine Zeit mir für Diskussionen! Leg ihn ihr um, bitte! Und ich möchte, dass ihr alle eure Hände auf sie legt: Ich bitte euch! Ich weiß, ihr hattet einen schlechten Start; und Ava ist sicherlich nicht leicht. Aber sie ist kein schlechter Mensch. Sie verdient es nicht, zu sterben. Genauso wenig wie Angel. Bitte, betet für sie! Fühlt für sie - nur so könnt ihr Ava retten - und im Endeffekt auch Angel!"

Langsam reagierte Taliya, in dem sie zu Angel ging und den Stein von ihrer Brust nahm und auf Avas Brust legte. Dann gingen langsam alle Mädchen zu ihr und knieten sich neben sie. Sie alle sahen zuerst Arlea an, und sie begriffen, was diese gemeint hatte, als sie ihr in die Augen sahen. Sie sahen wahre Mutterliebe, auch für ein Mädchen, das keine von ihnen wirklich gemocht hatte - bis jetzt. Doch jetzt, wo auch dieses Mädchen todgeweiht vor ihnen lag, spürten sie, dass sie im Grunde keinen schlechten Charakter hatte. Und selbst Yuna merkte, dass sie Ava mochte. Trotz allem, was sie ihr angetan hatte.
Sie legte instinktiv eine Hand auf den Stein, und sagte, leise: "Ich will nicht, dass du stirbst, Ava. Bitte, komm zurück! Es tut mir leid, was ich einmal über dich gedacht habe. Ich weiß, es war nicht deine Schuld. Ich vergebe dir! Bitte, komm zurück, wo auch immer du bist!"
Taliya war die nächste, die es ihr gleich tat. Auch sie legte ihre Hand auf den Stein und sagte: "Du bist Angels Schwester; wenn sie dir vergeben kann, und zeigt, dass sie dich liebt, dann können wir das auch! Du hast ein gutes Herz. Bitte, löse dich von dem, was dich da gefangen hält! Angel braucht dich - WIR brauchen dich auch!"
Und zum Schluss kam auch noch Kida und tat dasselbe. Auch sie legte eine Hand auf den Stein und sagte: "Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, Ava - aber wenn du es kannst, dann erinnerst du dich sicherlich daran, dass ich einmal gesagt habe, dass ich meine Kinder gegen alles und jeden verteidigen werde - damals habe ich das als Warnung für dich gemeint, doch jetzt wiederhole ich meine Worte - und schließe dich darin ein: Du gehörst ab jetzt zu meinen Kindern, Ava. Hörst du? Bitte, komm zurück. Wir alle brauchen dich! Und deine Schwester am meisten. Du musst uns helfen, sie zu retten. Ohne dich schafft sie es nicht!"
Alle hatten so viel Herzblut in ihre Worte gesteckt, doch jetzt wussten sie nicht mehr weiter. Sie hielten ihre Hände auf Avas Körper, und Arlea strich mit ihren Händen über ihren Kopf. Noch hatte sich ihr Zustand nicht geändert - und Angel atmete kaum noch. Ihr Gesicht war beinahe schwarz. Es dauerte nicht mehr lange, bis zum Tod...

Um Ava herum war es schwarze Nacht. Sie wusste nicht, wo sie war. Ein Gefühl der Enge umgab sie und sie fühlte Schmerzen, wie sie noch nie welche gespürt hatte. Sie hatte das Gefühl, gefangen zu sein, doch sie konnte nicht sehen, wo. Dann überkam sie die nächste Schmerzwelle, der sie kaum Herr werden konnte. Zuerst dachte sie, es hätte etwas mit ihrem ehemaligen "Herrn" zu tun, Raoul. Hatte er sie etwa gefunden? Hatte er einen Weg gefunden, sie zu sich zu rufen? Ihr wurde noch übler. Doch irgendwie wusste sie, dass es nicht so war. Dann ahnte sie, was die furchtbare Pein wirklich hervor rief - Angel! Sie war, durch ihre empathische Verbindung zu ihr, so tief mit ihren Gefühlen verbunden, dass sie es ebenfalls in ihre schwarze Welt gezogen hatte. Das war Angels Welt, in der diese sich befand! Kurz vor ihrem nahenden Tod!
"Angel? - Angel, wo bist du?" rief sie, und suchte sich einen Weg durch die Schwärze, die nicht nur tief und dunkel zu sein schien, sondern auch dicht. Nicht dicht wie Nebel, sondern eher wie eine schwarze Wand.

Sie rief lauter, doch sie erhielt keine Antwort. Dennoch ahnte sie, dass ihre Schwester hier irgendwo sein musste! Nein, sie ahnte es nicht nur, sie wusste es: Angel war hier irgendwo, doch sie konnte sie nicht erkennen. "Angel, antworte mir! Wo bist du?? Bitte sag was; ich bin es, Ava!" Weiter kam sie nicht. Ein grauenhafter Schmerz, nicht bekannten Ausmaßes, traf sie. Es war, als ob ihr mit einem Ruck der Leib aufgerissen wurde. Sie krümmte sich und fiel auf die Knie. "Angel... Angel bitte, hör auf! Hör, hör auf mich.. Hör auf meine Stimme. Hör auf mein..." dann ebbte ihre Stimme ab.

In der Realität hatte Angel sich gerade ebenfalls zusammen gezogen. Aus ihrem Unterleib trat Blut. Ihr Kreischen erstarb und sie sackte in sich zusammen. Arlea schrie ihren Namen und kniete sich zu ihr. Yuna schrie ebenfalls. Es ging zu Ende - das fühlte sie. Das Schattenkraut zollte seinen Tribut. Und auch Ava hatte sich nicht gerührt. Beide Mädchen starben - das konnte doch nicht wahr sein!
"Nein! - Ava, verdammt noch mal! Du bist stark! Bitte! Jetzt komm endlich wieder zurück! Oder bist du etwa doch nur ein kleines, schwaches Biest, das seine Schwester und uns im Stich lässt, wenn wir es am meisten brauchen? VERDAMMT NOCH MAL, bitte, komm zurück!" rief Taliya, vollkommen verzweifelt. "Taliya, bitte.." wollte Kida gerade ansetzen, der man den Schock ebenfalls ansehen konnte - als sich Ava plötzlich wieder rührte...

Sie hatte etwas gehört. In dem dunklen, dichten Nichts, in dem sie sich befand, und während sie den grauenhaften Schmerz nicht mehr aushalten konnte, hörte sie plötzlich Stimmen. Stimmen, die sie kannte. Und irgenwann begann sie, diesen zuzuhören. Ja, sie kannte die Stimmen, doch zuerst konnte sie kaum fassen, was sie sagten: Yuna hatte ihr vergeben? Taliya akzeptierte sie, und Kida nahm sie als ihr "Kind" an - im Sinne der Löwenmutter? Ausgerechnet sie? Ava spürte eine Wärme durch ihren Körper fließen. Sie spürte Ehrlichkeit - und dann hörte sie Taliyas letzte Worte, die sie zu ihr sprach; in purer Verzweiflung. Nein, sie war kein "schwaches Biest" und sie würde niemanden im Stich lassen! Ava wusste plötzlich, dass sich Angel zwar hier irgendwo aufhielt, sie ihre Schwester aber nirgends finden würde. Sie waren beide verloren, wenn sie hier bleiben würde. Ob dies von IHM gesteuert wurde, oder durch ihre Empathie, wusste sie nicht, aber das war auch egal. Sie musste sich von ihr lösen.
Wieder einmal hatte sie sich von der Heftigkeit ihrer Gefühle leiten lassen, und das war nicht gut gewesen. "Ich hole dich hier raus, Angel! Es dauert nicht mehr lange! Halte noch aus, bitte! Halte durch!" Und dann versuchte sie sich auf die Stimmen zu konzentrieren, und ihre Verbindung mit Angel abzuschalten.

Es funktionierte. Langsam erwachte Ava aus ihrer Dunkelheit. Yuna bemerkte es als erstes, dass sie sich begann, zu bewegen: "Ava? - Ava, bist du wach? Wie fühlst du dich?" Alle anderen blickten zu ihr und hielten sie fest, während sie sich aufsetzte.
Am Anfang war Ava noch etwas neben sich, doch dann realisierte sie, wo sie war - und stand so schnell sie konnte auf. Der Stein, den die Mädchen auf ihren Körper gelegt hatten, fiel herunter, und Ava realisierte ihn erst jetzt. Stillschweigend hob sie ihn auf und robbte sich zu ihrer Schwester. Sie spürte immer noch deren Schmerzen, tief in sich, doch sie biss die Zähne zusammen und versuchte, sie zu ignorieren. Sie durfte es nicht noch einmal so weit kommen lassen.

Dann legte sie den Edelstein auf Angels Brust und hielt ihre Hand darauf. Sie sah die anderen an, und diese verstanden. Als nächstes legte Taliya ihre Hand auf Avas, nach ihr Yuna, und als letztes Kida. Sie alle schauten gebannt auf ihre Freundin.
Angel atmete kaum noch. Ihre inneren Blutungen waren noch stärker geworden und ihr Gesicht war dunkel, beinahe schwarz. Eigentlich war es eine Frage der Zeit, und jeder hätte gesagt, dass es keine Hoffnung mehr gab. Doch daran wollten Ava und ihre Freundinnen nicht glauben. Sie alle pressten den Stein auf Angels Brust, und schließlich sprach Ava: "Angel, hör mir zu! Ich weiß, du bist stark! Stärker als du glaubst - und vermutlich sogar stärker als ich! Ja, ich bin schwach, gegen dich. Ich habe IHN über mich herrschen lassen. Das hätte dir niemals passieren können. Deswegen bitte ich dich: Komm zurück! Hör auf meine Stimme! Befreie dich aus der Finsternis, der Hölle, in der du gerade gefangen bist. Ich und unsere Freunde sind hier und warten auf dich! Wir brauchen dich! Und Mutter auch. Komm zu uns zurück - komm zu MIR zurück..."
Ava hatte so viel Gefühl in ihre Stimme gelegt, dass alle anderen ganz erstaunt waren. Das hätten sie Ava niemals zugetraut. Wenn sie das nur spielte, war es verdammt gut, doch langsam begriffen alle, einschließlich Yuna, dass Ava sich wirklich geändert hatte. Und alle ahnten, dass es grausam gewesen sein musste, was auch sie vor noch nicht allzu langer Zeit erlebt hatte. Und genau das - in vielleicht noch stärkerem Maße - erlebte Angel immer noch.

Sie alle hielten sich an den Händen und auch die anderen baten Angel, zu ihnen zurück zu kehren. Noch hatte sich gar nichts getan, der Edelstein war immer noch ein ganz normaler Rosenquarz - schön, aber ohne die Wirkung, die Arlea ihnen ja eigentlich versprochen hatte...
Doch nach einigen weiteren Sekunden, in dem sich gar nichts tat, und die Hoffnungslosigkeit wuchs, wurde Ava noch einmal von Gefühlen übermannt. Sie wollte es nicht, doch sie spürte plötzlich gar keine Schmerzen mehr. Was eigentlich ein gutes Zeichen sein solllte, wurde zur schrecklichen Gewissheit: Sie sah, wie Angels Atmung aussetzte. Angel hatte die Augen geöffnet, sie waren rot. Und Ava wusste, was die fehlenden Gefühle tatsächlich bedeuteten: Ihre empathische Verbindung war abgerissen - Angel war tot!

"NEIN!! Angel - ANGEL, verdammt noch mal - komm zurück!!!" brüllte sie, bevor noch jemand anderes es verstehen konnte - und Tränen rannen ihr über die Wangen. "Angel?" auch die anderen starrten auf ihre Freundin.
Sie hatten es in der Tat noch nicht begriffen. Doch dann sahen sie Ava weinen. Die harte Ava, die früher selbst wenn sie in Trauer gewesen wäre, dies niemals öffentlich gezeigt hätte - und das konnte nur eines bedeuten.. "Nein..." Auch die anderen zeigten ihre Verzweiflung. Der Stein hatte nicht helfen können; wenn er überhaupt einen Sinn gehabt hatte. Das konnte nicht wahr sein! Und so weinten sie alle, in stiller Trauer und Verzweiflung um ihre Freundin und Schwester...
Und die Tränen flossen auf den Stein, den sie alle festhielten; und auf Angels Körper.. Und plötzlich änderte sich etwas...

Zwischen ihren Händen strahlte plötzlich eine Art helles Licht. Alle ließen beinahe erschrocken den Stein los, der sich auch leicht erwärmt hatte, und blickten beinahe geschockt darauf. "Was.. Was passiert jetzt?" flüsterte Taliya. Doch Ava gab ihr ein Zeichen zu schweigen. Stillschweigend sahen die Mädchen zu, wie das Leuchten immer heller wurde, man konnte den Stein beinahe nicht mehr erkennen: Er schien auch größer zu werden.. Und dann fuhr ein heller, warmer Strahl aus dem Stein in Angels Mund. Taliya schrie auf, doch Kida versuchte sie zu beruhigen. Irgendwie spürte sie, dass es nichts schlimmes war, was hier gerade geschah. Was konnte auch schlimmer sein, als das, was hier zuvor schon passiert war? Angel war tot gewesen! Und dann geschah etwas, was tatsächlich an ein Wunder grenzte: Angels Gesichtsfarbe wechselte von dem tödlichen Schwarz in ein helleres Grau - bis sie wieder ihre normale Hautfarbe einnahm. Sie begann wieder zu atmen - und wenige Sekunden später erwachte sie. Angel lebte! Der Stein hatte sie zum Leben erweckt. Anscheinend durch ihre Tränen...
Taliya umarmte ihre Freundin, bevor diese noch wusste, wie ihr geschah: "Oh mein Gott, du lebst... Angel, du lebst..."
Bevot Taliya sie erdrückte, zog Kida sie ein wenig von ihr fort. Doch auch ihr war die Erleichterung anzusehen: "Willkommen zurück, meine Süße. Wir haben dich wieder", und aus ihrem Blick sprach Wärme.

Angel sah sich von einem zum anderen um und fragte: "Was, was ist los? Wo, wo bin ich.. Was ist passiert?.." Sie war noch nicht wieder klar bei sich. Und sie fühlte sich immer noch schwach, was Ava spüren konnte. Ja, ihre Verbindung war wieder da, und Ava war froh darüber. Sie lächelte Angel an, nahm den Stein, den sie alle losgelassen hatten, und drückte ihn Angel in die Hand. "Du bist wieder da, Kleines.. Und ich bin froh darüber. Ich weiß, wo du gewesen bist, es war die Hölle. Aber jetzt bist du daraus erwacht. Ich liebe dich, Angel.." flüsterte sie ihr ins Ohr. Und wieder leuchtete der Stein. Ava sah es nicht, doch die anderen bemerkten es. Fasziniert sahen sie ihn an, doch sie begriffen nicht, was das zu bedeuten hatte.

Arlea, die sich bis jetzt zurück gehalten hatte, beugte sich ebenfalls zu Angel herunter und sah auch Ava in die Augen. "Der Stein hat eure Liebe eingefangen und sie an Angel abgegeben. Es war in der letzten Sekunde, aber es war noch möglich, ihr die Liebe zu geben, und sie so zurück zu holen. Besonders deine, Ava! Aber auch die von euch allen. Ich danke euch dafür. Jetzt kann ich wieder gehen. Beruhigt in dem Wissen, dass meine Kinder leben. Und sich gefunden haben." Sie lächelte, küsste Angel noch einmal auf die Stirn, strich auch Ava über ihre Wange - und dann war sie verschwunden. Diese blickte verwirrt auf die Stelle, wo sie vorher gestanden hatte, doch dann sah sie wieder zu Angel herunter. Diese war noch nicht wieder vollständig sie selbst, doch langsam konnte sie sich wieder an alles erinnnern. "Faelia.." stammelte sie, und versuchte sich aufzusetzen, was allerdings noch misslang. "Hey, ganz ruhig... Sie ist keine Gefahr mehr für uns! Bleib erst mal ruhig liegen, okay?" flüsterte Ava und drückte Angel an sich.
Die anderen drehten sich um. In der Tat stand Faelia immer noch da, wo sie Arlea "festgenagelt" hatte, und schien immer noch nichts mitzubekommen. WIe lange der Zustand noch bestehen bleiben würde, wussten sie nicht, doch das sollte ihnen auch egal sein, hauptsache, sie kam ihnen nicht in die Quere. Kida nahm sich vor, sie im Auge zu behalten.
Jetzt kümmerten sich alle Mädchen erst einmal einige Zeit noch um Angel, und dann kam auch noch Una zu ihnen und ließ sich neben ihr nieder. Angel war noch schwach, aber sie würde es schaffen, das konnte Ava spüren. Und solange würden sie noch hier bleiben, bis sich ihr Zustand wieder gebessert hatte - dann würden sie weitere Pläne schmieden. Und zumindest Ava wusste, dass die anders aussehen würden, als die, die sie sich eigentlich bereits zurecht gelegt hatte - oder? Sie wusste es nicht mehr...

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Christal, 31
Traumland